UnternehmenBanken + Versicherungen
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Mittwoch, 13. Juni 2007, 21:20 Uhr
Banking in Moskau

Eine russische Karriere

Von Thomas Wiede

Ruben Wardanian stammt aus Armenien und ist Chef der russischen Investmentbank Troika Dialog. Er führte das erst 1992 gegründete Unternehmen unter die fünf besten Banken des Landes, Wardanian selbst ist einer der Top-Manager in Russland. Heute setzt er sich selbst für die Ausbildung von Bankern ein, denn auch wenn die Gehälter in der Investment-Metropole Moskau höher sind als an der Wall Street – Fachkräfte fehlen noch immer.


 Mehr zum Thema: Wirtschaft in Russland
Artikel

BP, Präsidenten und Oligarchen (08.05. 11:42)

Artikel

Russlands Wirtschaft läuft heiß  (24.04. 09:55)

Artikel

Belastungsprobe für die „Putinomics“ (15.12. 10:15)

Zum Special ...



Die Gehälter in der Investment-Metropole Moskau höher sind als an der Wall Street. Foto: dpa
Bild vergrößernDie Gehälter in der Investment-Metropole Moskau höher sind als an der Wall Street. Foto: dpa

MOSKAU. Als Ruben Wardanian 23 Jahre alt ist, setzt er sich in sein kleines Büro in Moskau und legt ein großes Blatt Papier vor sich. Nach reiflicher Überlegung macht er eine Checkliste, wie er es an der Uni gelernt hat. Am Ende schreibt er: „Ich habe kein Produkt, keine Kunden, keine Erfahrung, und es gibt keine Regeln.“ Was tun? Der Boss der Dialog-Bank hat den Studienabgänger gerade beauftragt, eine Investmentbank aufzubauen und zu führen. „Wenn ich damals gewusst hätte, was es wirklich heißt, Investmentbanker zu sein, wäre ich vielleicht aufgestanden und weggelaufen“, sagt er heute lachend.

Damals – das war 1992 – hat er die Checkliste beiseite und einfach losgelegt. Die Sowjetunion ist gerade zusammengekracht, und nur eine Hand voll Menschen in Russland kennen den Unterschied zwischen Aktien und Anleihen. Er und seine wenigen Mitarbeiter warten an den Metrostationen und bieten den Passanten Bargeld für Privatisierungsgutscheine an. Ein Knochenjob: Grundkurs Kapitalismus.

Heute ist Wardanian immer noch Chef der Bank – und einer ihrer Haupteigentümer. Troika Dialog gehört inzwischen zu den Top Fünf der Branche in Russland. Der kleine stämmige Mann aus Armenien mit dem schwarzen Vollbart und den blitzenden dunklen Augen kann sich immer noch mit einem fast ungläubigen Staunen über seinen Erfolg freuen. Er hat es geschafft. Und wie: Im großen Sitzungszimmer des Troika-Hauptquartiers am edlen Romanow-Weg im Moskauer Zentrum hängt die Wand voller Auszeichnungen aus den vergangenen zehn Jahren: „beste Bank des Jahres“, „bester Manager Russlands“. Das Geschäft brummt; die Eigenkapitalrendite liegt bei 70 Prozent, und Investmentbanker in Moskau verdienen inzwischen doppelt so viel wie ihre Kollegen in New York. Moskau ist dank der Ölhausse der vergangenen Jahre zum lukrativen Standort der großen Investmentbanken geworden. Troika hat 2006 die Mitarbeiterzahl von 400 auf 1000 mehr als verdoppelt.

Wardanian ist heute 38 Jahre alt; Zeit für Neues. So gründet er die erste internationale MBA-Schule in Russland. Er wird ihr Präsident sein. Eine ganze Reihe Oligarchen, also die postsowjetischen Reichen, gibt Geld. Und Staatspräsident Wladimir Putin hat der Schule den Rang eines „nationalen Projekts“ verliehen – höher aufgehängt kann in seinem Reich kein Vorhaben sein. Warum die Schule? Ganz einfach: „Russland hat nicht genug gute Manager“, sagt Wardanian.

Eine Reihe von Defiziten hat das Land inzwischen überwunden: Es gibt heute Geld und Investitionsmöglichkeiten. Die nötigen Technologien lassen sich auf dem Weltmarkt kaufen. Nur es fehle an gut ausgebildeten Spezialisten, die dann auch das Richtige daraus machen, meint Wardanian. „Es ist eine Illusion, wenn Leute sagen, dass Russlands Potenzial in seinen gut ausgebildeten Menschen liegt“, erklärt er. Die meisten fürchteten sich zudem immer noch davor, für etwas Verantwortung zu übernehmen. „Es gibt unter den russischen Managern viele Clevere, die wissen, wie man Geld macht, nur wie man heute ein Business aufbaut und führt, haben sie nicht gelernt.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Wer ist Dow Jones? Und warum fällt er?“


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Ackermann fordert schärfere Regeln(16.05. 10:45)
Artikel Commerzbank-Aktionäre beschließen Kapitalmaßnahmen(15.05. 20:45)
Artikel Deutsche Börse schlägt zurück(15.05. 19:00)
Artikel Gebeutelte Credit Agricole zieht Konsequenzen(15.05. 18:38)
Artikel BaFin warnt vor Verschlimmerung der Kreditmarktkrise(15.05. 16:31)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

COMPACT: RUSSLAND
HANDELSBLATT COMPACT:
RUSSLAND
Artikel

Hoffnungsträger aus der Kälte

Artikel

Medwedjew ist jetzt Putin

Artikel

Steinmeier justiert Russland-Politik neu

Artikel

Putin setzt auf bewährtes Personal

Artikel

Schweres Gerät und schwere Probleme

Artikel

Putin nennt seine erste Mission

Artikel

Ab jetzt darf Medwedjew in der Mitte stehen

Artikel

Moskaus Macht bleibt oft ein Mythos

Artikel

Zwei Könige, ein Reich

Bildergalerie

Putins Kreml AG

Blog

Großer Vorsitzender

Artikel

Russland verschärft die Regeln für Investoren

Serie: Russland real - ein Blick in die Regionen
Artikel

In den Agrar-Ruinen regt sich neues Leben

Artikel

Wo für die Japaner Europa anfängt

Artikel

Im Ural streckt sich die Bürgergesellschaft aus dem Eis

Artikel

„Hölle des Nordens“ lebt allein vom Nickel

Wirtschaft in Russland
Artikel

BP, Präsidenten und Oligarchen

Artikel

Russlands Wirtschaft läuft heiß

Artikel

Belastungsprobe für die „Putinomics“

Artikel

Recht haben und Recht bekommen in Russland

Artikel

Putin will Ausländer aus Chefsesseln vertreiben

Artikel

Der Alte und sein „Awtomat“

Bildergalerie

Wo reiche Russen auf Einkaufstour gehen

Artikel

Eine russische Karriere

Artikel

Russland, Wirtschaftsmacht

Serie: Hinter Russlands Fassade
Artikel

„Piter“ widersetzt sich jeder Zähmung

Artikel

„Hölle des Nordens“ lebt allein vom Nickel

Artikel

Wackeliges Dach über dem Kopf

Artikel

Gute Bildung muss erkauft werden

Artikel

Vom Vorzimmer aufs Börsenparkett

Artikel

Auf Umwegen doch noch zum Recht?

Artikel

Russland wandelt sich, nur Putin bleibt

Links
WEB-Link

Die aktuelle Russlandanalyse

WEB-Link

Weblog Madagaskar: Randerscheinungen der Außenpolitik

WEB-Link

Krusenstern: Russland und die Ukraine im Fokus

WEB-Link

Weblog: Aus dem russischen Alltag

Erdgas und Öl aus Russland
Artikel

Gazprom dreht Ukraine den Gashahn zu

Artikel

Undurchsichtige Ölimporte

Rechner

Karte: Die Ölpipeline von Russland nach Asien


Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Geschäftsführer-Quiz

Bei Fehlern drohen Geschäftsführern Haftungsfolgen. Testen Sie Ihr Wissen.
Charts der Woche

Grafik für Grafik: Kursverläufe, die besonders aufgefallen sind.
Vielflieger gefragt

Testen Sie Ihr Wissen rund ums Thema Fliegen im aktuellen Luftfahrt-Quiz.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick