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HANDELSBLATT, Mittwoch, 9. April 2008, 19:36 Uhr
Verhaltenskodex geplant

Finanzbranche will Krise selbst lösen

Die internationale Finanzbranche will sich vor stärkeren staatlichen Eingriffen durch Selbstkontrolle schützen: Ein Verhaltenskodex soll die Institute an enge Regeln binden und dadurch Vertrauen zurückgewinnen, um weitere Kreditkrisen globalen Ausmaßes zu verhindern.



Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann setzt auf die Selbstheilungskräfte der Branche. Foto: ap
Bild vergrößernDeutsche-Bank-Chef Josef Ackermann setzt auf die Selbstheilungskräfte der Branche. Foto: ap

HB FRANKFURT. Kurz vor dem Treffen der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs legte die internationale Bankenvereinigung IIF am Mittwoch Reformvorschläge vor, mit denen sie das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen will. Die G7-Staaten planen ihrerseits eine schärfere Überwachung vor allem global agierender Banken, um weitere Krisen zu verhindern.

"Wir brauchen keine stärkere staatliche Regulierung, da wir selbst mit den Herausforderungen fertig werden", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der dem IIF vorsitzt, bei der Präsentation des Zwischenberichts in Frankfurt. Das Vertrauen könne letztlich nur wieder hergestellt werden, wenn die Branche die Probleme selbst angehe. "Wir sind uns bewusst, dass wir alle Fehler gemacht haben", sagte er am Abend dem ZDF. Die Branche werde alles tum, um diese Fehler nicht zu wiederholen. Er äußerte sich zuversichtlich, dass sich die Märkte im zweiten Halbjahr wieder stabilisieren.

Im Kern wollen die Institute ihr Risikomanagement verbessern, Fehlanreize bei der Bezahlung von Führungskräften beseitigen und eine Debatte über die Bewertungsregeln für die Bilanzen anstoßen. Zudem soll eine Gruppe von hochkarätigen Experten und Managern frühzeitig vor Fehlentwicklungen in der Branche und an den Märkten warnen. "Unsere Branche muss in vielen Bereichen die Transparenz erhöhen", sagte Ackermann. Ziel der Banken ist es, einen Verhaltenskodex für die Institute zu entwickeln, dessen Einhaltung durch den IIF überprüft werden soll.

Der frühere Vize-Verwaltungsratschef der niederländischen Großbank ING, Cees Maas, sagte, zentraler Faktor der Kontrolle sei aber der steigende Druck des Marktes, alles offenzulegen. Er ist der Co-Chef des Ausschusses, den die 375 Mitgliedsinstitute des IIF beauftragt hatten, Konsequenzen aus der Krise vorzuschlagen. Im Sommer soll der Abschlussbericht einschließlich Kodex feststehen. Ackermann sprach mit Blick auf die G7-Regulierungspläne von einem "Wettbewerb der besten Ideen". Das IIF stehe in engem Kontakt mit den Regierungen und Notenbanken. Einem Bericht des G7-Finanzstabilitätsforums zufolge, von dem Auszüge bekannt wurden, soll noch vor Jahresende ein internationales Team gebildet werden, das die weltgrößten Banken überwachen soll. Bereits bis Juli sollen die Bankenaufseher Regeln aufstellen, wie sich die Finanzinstitute besser auf Liquiditätsengpässe vorbereiten sollen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Banken legen 98-Punkte-Programm vor


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