| HANDELSBLATT, Montag, 14. April 2008, 13:02 Uhr | ||||||||||||||||||||||||
Schärfere Regulierung | ||||||||||||||||||||||||
Zum Rapport in 100 Tagen | ||||||||||||||||||||||||
Von Marietta Kurm-Engels und Klaus C. Engelen | ||||||||||||||||||||||||
Die Banken müssen sich auf eine schärfere Regulierung einstellen. Das ist die Botschaft des Krisengipfels der Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben wichtigen Industrienationen (G7) am Wochenende in Washington. Binnen 100 Tagen müssen die Finanzinstitute Risiken und erforderliche Abschreibungen bei komplexen Finanzinstrumenten offen legen. | ||||||||||||||||||||||||
FRANKFURT/ BERLIN. „Es war Konsens bei den Beratungen, dass man sich nicht auf den Kodex der Banken verlassen kann und dass die Aufseher in jedem Fall aktiv werden müssen“, verlautete aus Teilnehmerkreisen. „Vor allem ist man nicht eingeknickt und hat die Fair-Value-Bewertung ausgesetzt.“ Die Forderung, das Fair-Value-Konzept, also die Bewertung mit dem Zeitwert, für bestimmte strukturierte Finanzprodukte auszusetzen, hatte in der vergangenen Woche der Verband internationaler Großbanken (IIF) bei der Vorlage eines 98 Punkte-Programms zur Selbstregulierung der Branche erhoben. „Wir brauchen keine zusätzliche Regulierung, außer wahrscheinlich bei Bewertungsfragen“, hatte Cees Maas, früherer Vize-Chairman der ING Gruppe, bei der Vorstellung des IIF-Kodex gesagt. Die Beschlüsse des G7-Gipfels stützen sich voll auf den Bericht des Baseler Forums für Finanzstabilität (FSF), der unter dem Vorsitz von Italiens Notenbankchef Mario Draghi seit Herbst 2007 erarbeitet wurde. „Die Versuche gewisser Mitglieder, Dinge aufzuweichen, haben wir abgewehrt“, verlautete aus dem Aufseherforum. „Einiges hat sich in letzter Zeit doch geändert: Die Stimmung ist nicht so, dass sich die Politik länger von der Industrie für dumm verkaufen lässt.“ Die Kritik eines langjährigen Beobachters der Aufsichtsszene müssen sich die Verantwortlichen dennoch gefallen lassen: „Warum haben sich die nationalen Aufseher und internationalen Stellen wie das FSF und der Internationale Währungsfonds (IWF) nicht früher und gezielter auf die Gefährlichkeit einer Schattenbanken-Struktur außerhalb der Bilanzen eingeschossen?“ Jetzt sollen die Finanzinstitute innerhalb von 100 Tagen alle erkannten Risiken und erforderlichen Abschreibungen bei komplexen Finanzinstrumenten offen legen. In dieser Zeit sollen der International Accounting Standards Board (IASB) und andere Standardsetter eine Verbesserung der Bilanzierungs- und Transparenzregeln für außerbilanzielle Vehikel auf den Weg bringen. Das soll klären, wie Finanzinstrumente im Rahmen des Fair-Value-Ansatzes in Zeiten von Marktstress zu bewerten sind. Sofort gefordert werden auch Schritte aller Marktakteure zur Verbesserung des Risikomanagements und zur Stärkung der Eigenkapitalbasis. Bis Juli 2008 soll der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht verbesserte Richtlinien für die Behandlung von Liquiditätsrisiken und die internationale Vereinigung der Wertpapiermarktaufseher IOSCO einen neuen Verhaltenskodex für Ratingagenturen vorlegen. Lesen Sie weiter auf Seite 2: So sehen es die Banken. | ||||||||||||||||||||||||
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