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HANDELSBLATT, Dienstag, 15. April 2008, 21:00 Uhr
Fondsstrategien

Private Equity denkt um

Von Michael Maisch

Der großen Krise an den Finanzmärkten zum Trotz sammeln Private-Equity-Investoren bei den Anlegern viele neue Milliarden für frische Fonds ein. Allerdings haben sich durch die Verwerfungen der vergangenen Monate die Regeln des Spiels geändert. Die Private-Equity-Gesellschaften müssen beim Investieren ihrer Mittel umdenken.



Die Private-Equity-Branche gibt ihr Geld anders aus als früher. Foto: dpa
Die Private-Equity-Branche gibt ihr Geld anders aus als früher. Foto: dpa

LONDON. Die Übernahmen werden kleiner, die Beteiligungsfirmen werden öfter Minderheitsbeteiligungen eingehen, und sie werden mehr Geld in Sanierungsfälle und in andere notleidende Anlagen investieren. Auf der anderen Seite denkt eine steigende Zahl von Private-Equity-Gesellschaften offenbar daran, spezielle Kreditpakete von Großbanken mit hohen Preisabschlägen zu kaufen. Diese Kredite wurden von den Instituten zu Boomzeiten zur Finanzierung von Übernahmen (Leveraged Loans) vergeben.

Die US-Beteiligungsgesellschaft Apollo ist gerade dabei, Mittel für einen neuen Fonds einzusammeln, der am Ende ein Volumen von rund 15 Mrd. Dollar haben soll. Einer Mitteilung an die amerikanische Wertpapieraufsicht zufolge wurden davon bereits über zwölf Mrd. Dollar eingeworben.

Apollo ist kein Einzelfall in der Branche, auch der Konkurrent KKR warb für seinen neuen Fonds 18 Mrd. Dollar ein, und Blackstone erreichte mit einem auf Immobilien spezialisierten Fonds ein Volumen von rund elf Mrd. Dollar. Allerdings fragen sich immer mehr Experten, wie die Finanzinvestoren angesichts der Verwerfungen der Kreditkrise das Geld anlegen wollen.

Seit die Finanzierungskosten für große Übernahmen im vergangenen Juli deutlich zu steigen begannen, hat den Daten des Informationsdienstes Thomson Financial zufolge nur eine einzige Buyout-Gesellschaft eine Transaktion mit einem Volumen von mehr als fünf Mrd. Dollar angekündigt. Zum Vergleich: In den ersten sieben Monaten des Jahres 2007 gab es 32 Übernahmen von Beteiligungsgesellschaften in dieser Größenordnung. Im ersten Quartal 2008 brachen die Private-Equity-Transaktionen insgesamt auf rund 81 Mrd. Dollar ein, das ist der tiefste Stand seit 2005.

Seit Ausbruch der großen Kreditkrise halten sich die Banken bei der Finanzierung großer Übernahmen deutlich zurück. Zum einen haben sich die Refinanzierungskosten für die Institute deutlich erhöht, zum anderen sind die Geldhäuser noch immer damit beschäftigt, den Rückstau an Übernahmefinanzierungen in ihren Büchern abzubauen. Die vergleichsweise riskanten Kredite lassen sich derzeit nur äußert schwer weiter verkaufen. In diese Lücke springen nun einige Private-Equity-Häuser. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schätzt das Volumen auf rund 230 Mrd. Dollar weltweit.

Damit könnten Private-Equity-Fonds ironischerweise zu den Profiteuren der Finanzkrise zählen. Ähnlich wie Hedge-Fonds und Investmentbanken haben sich viele Private-Equity-Gesellschaften seit Monaten auf die Verwerfungen vorbereitet und Finanzprofis angeheuert, um faule Kredite aufzukaufen. So soll die Citigroup nach Informationen aus Finanzkreisen mit den Beteiligungsgesellschaften Blackstone, Apollo und TPG über den Verkauf von Übernahmefinanzierungen im Wert von zwölf Mrd. Dollar verhandeln.

„Den Private-Equity-Investoren bieten sich aber noch viele weitere Ausweichmöglichkeiten“, betont ein Londoner Banker. Als Beispiel nennt er das Engagement der Texas Pacific Group (TPG) bei der Rettung der angeschlagenen US-Bank Washington Mutual. Die milliardenschweren Investitionen von TPG bei der Rekapitalisierung des amerikanischen Geldhauses zeige gleich zwei Trends im Bereich Private Equity: Statt schwieriger Großübernahmen kämen Minderheitsbeteiligungen an börsennotierten Gesellschaften in Mode, und zum anderen würden sich Beteiligungsgesellschaften stärker bei Unternehmen in Finanznot engagieren, dafür kämen vor allem auch Kandidaten aus der Finanzbranche in Frage.

Dennoch: „Der Markt für große syndizierte Übernahmen ist noch immer schwer angeschlagen“, sagt Alexander Klemm, Deutschland-Chef der Investmentbank Cazenove. Kleinere Private-Equity-Transaktionen mit einem Volumen von bis zu 500 Mill. Euro seien aber noch immer möglich, solche Deals, meist von mehreren Instituten gemeinsam finanziert, könnten die Banken auf ihre eigenen Bücher nehmen.


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