| HANDELSBLATT, Mittwoch, 30. April 2008, 18:00 Uhr | ||||||||||||||||||||||||
Schadensersatzforderungen | ||||||||||||||||||||||||
Subprime-Klagewelle rollt | ||||||||||||||||||||||||
Von Michael Maisch | ||||||||||||||||||||||||
Die Kreditkrise an den weltweiten Finanzmärkten hat die Gerichte erreicht. In den USA wächst die Zahl von Schadensersatzforderungen rasant. Allein im Januar und im Februar dieses Jahres sind 32 neue Klagen im Zusammenhang mit der Subprime-Krise eingereicht worden, berichtet Stephen Everard, Chef der britischen Beratungsgesellschaft Goal. | ||||||||||||||||||||||||
LONDON. Goal berät internationale Großinvestoren wie Pensionsfonds und Investmentgesellschaften, wenn es um Sammelklagen und mögliche Schadensersatzansprüche geht. Nach Goal-Daten sind in den USA bisher rund 150 Klagen wegen der Subprime-Krise anhängig, und jede Woche kämen zwei bis drei neue Fälle hinzu. Betroffen von der Klagewelle sind vor allem Geschäftsbanken, Investmentbanken und Vermögensverwalter. Die US-Fondsgesellschaft State Street hat bereits Ende 2007 über 600 Mill. Dollar für Rechtsstreitigkeiten wegen Verlusten aus der US-Hypothekenkrise zurückgelegt. Der weltgrößte Verwalter von Fondsvermögen für institutionelle Kunden muss sich gegen Vorwürfe wehren, dass seine Fondsmanager ihre treuhänderischen Pflichten verletzt haben. So seien Anlagestrategien als "risikoarm" vermarktet worden, obwohl sie wegen Investments in Hypothekenpapiere zu erheblichen Verlusten geführt hätten. Neben den Vermögensverwaltern drohen vor allem den besonders stark im Subprime-Geschäft engagierten Investmentbanken Schadensersatzforderungen. Bereits Ende 2007 reichten Aktionäre in den USA eine Klage gegen die Citigroup ein. Die von der auf Sammelklagen spezialisierten Kanzlei Coughlin Stoia Geller Rudman & Robbins vertretenen Anteilseigner werfen der Großbank vor, falsche Angaben zu Geschäftszahlen gemacht zu haben. Der inzwischen zurückgetretene Citi-Chef Chuck Prince hatte nach Meinung der Kläger mehrfach signalisiert, dass die Bank das Schlimmste überstanden habe, nur um kurz darauf einzuräumen, dass noch einmal Abschreibungen im zweistelligen Milliardenbereich fällig würden. "Neben Privatanlegern und Großinvestoren klagen in den USA inzwischen auch Städte und andere Gebietskörperschaften gegen die Finanzbranche", erläutert Goal-Chef Everard. So hat Cleveland vor kurzem 21 Banken wegen der leichtfertigen Vergabe von Subprime-Krediten an Schuldner mit zweitklassiger Bonität verklagt. Wie andere Städte fordert Cleveland Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe für ausgefallene Grundsteuern und den Wertverlust öffentlicher Gebäude durch den Verfall ganzer Stadtteile. Im Vergleich zu den USA halten sich die Subprime-Klagen in Europa in engen Grenzen. Everard macht dafür vor allem die Tatsache verantwortlich, dass es in den meisten anderen Ländern keine etablierten Mechanismen für Sammelklagen gibt. Londoner Anwälte nennen noch einen Grund: Die großen auf Finanzrecht spezialisierten Kanzleien halten sich bei Klagen gegen Großbanken, denen sie einen großen Teil ihrer Honorare verdanken, bisher vornehm zurück. | ||||||||||||||||||||||||
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