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16.05.2008 
Deutsche-Bank-Chef äußert sich zur Finanzkrise

Ackermann fordert schärfere Regeln

von Oliver Stock

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gibt dem schwachen Kontrollsystem der Banken die Schuld für die weltweite Finanzkrise. Bei einem internationalen Symposium am Donnerstag an der Universität St. Gallen forderte der 61-Jährige die Banken auf, ihre Risikokultur zu überarbeiten und plädierte für mehr Kontrolle durch den Staat.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nahm in St. Gallen auch die Zentralbanken in die Pflicht. Foto: APLupe

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nahm in St. Gallen auch die Zentralbanken in die Pflicht. Foto: AP

ST. GALLEN. Die Frage nach Konsequenzen aus der Finanzkrise führt bei Bankern und Politikern zu höchst unterschiedlichen Antworten. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann plädierte am Donnerstag bei einem internationalen Symposium an der Universität St. Gallen für schärfere Regeln, die sich die Banken selber auferlegen müssten, und für mehr Aufsicht durch den Staat. Bundespräsident Horst Köhler hatte diese Woche in einem Interview dagegen vor allem die disziplinierende Rolle des Staates hervorgehoben. Andere, wie der in der Schweiz angesehener St. Galler Privatbankier Konrad Hummler, sprechen sich für einen noch weitergehenden Rückzug des Staates aus.

"Banken müssen ihre Risikokultur überarbeiten", sagte Ackermann. Der Risiko-Appetit jeder Sparte müsse transparent gemacht werden und sich danach richten, das Kapital der Bank nicht zu gefährden. Ackermann dürfte bei dieser Forderung nicht zuletzt an das Desaster seiner Landsleute bei der UBS gedacht haben, wo in der Investmentsparte Geld viel zu billig verliehen worden war, was in der Krise zu Milliarden-Abschreibungen geführt hat.

Darüber hinaus müssen Banken nach Ackermanns Meinung gemeinsame Standards für die Kreditvergabe entwickeln und eine zentrale Stelle für außerbörsliche Transaktionen schaffen. Schließlich sollten mehr Transparenz in die Bewertungssysteme der Ratingagenturen einziehen und Unterschiede in der Rechnungslegung, wie sie zwischen US-GAAP und IFRS auftreten, beseitigt werden.

Ackermann sieht aber auch ein Versagen bei Aufsichtsbehörden und Notenbanken: "Die von den Zentralbanken verursachte Flut an Liquidität hat dazu geführt, dass sich Investoren nach hoch verzinsten Anlagemöglichkeiten umschauten." Die Blase am Immobilienmarkt wäre nicht entstanden, wenn die Geldpolitik die Zügel stärker gestrafft hätte.

Der Deutsche-Bank-Chef rechnet damit, dass die Eigenkapital-Anforderungen an die Banken wachsen werden, die Bezahlung der Manager ein Thema für die Regulierungs-Behörden wird und von ihnen auch das Businessmodell einzelner Banken künftig stärker geprüft wird. Eingriffe des Staates, um einzelne Banken zu stützen, hält er für richtig. Kurzfristig seien pragmatische Lösungen und keine ideologischen Debatten gefragt.

Hier allerdings unterscheidet sich Ackermanns Sichtweise von der einiger seiner Kollegen. Konrad Hummler etwa, Teilhaber bei der St. Galler Privatbank Wegelin, kritisiert in seinem jüngsten Anlagekommentar die Strategie von Regierungen, die eine "Null-Unfall-Politik" auf den Finanzmärkten verfolgen und etwa wie im Fall der IKB im Zweifelsfall mit Geld einspringen. Die "implizite Staatsgarantie" fördere die Leichtsinnigkeit der Branche, warnt Hummler und spricht sich dafür aus, "Unfälle zuzulassen", bei denen auch Gläubiger Geld verlieren können. Nur so sei bei den Banken eine realistische Risikovorsorge zu erreichen.

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