Die Chefin der KfW-Bankengruppe, Ingrid Matthäus-Maier, hat gegenüber dem Handelsblatt das Rettungspaket für die Mittelstandsbank IKB verteidigt. „Ein Ende der IKB hätte einen massiven Vertrauensverlust in den deutschen Bankenmarkt erwarten lassen“, sagt sie. Im Interview spricht Matthäus-Maier zudem über ihr erstes Jahr an der KfW-Spitze, die globale Finanzkrise und den deutschen Mittelstand.
Ingrid Matthäus-Maier: "Leistungen der KfW werden durch die Rettung der IKB derzeit überdeckt." Foto: ap
Handelsblatt: Frau Matthäus-Maier, Ihr erstes Jahr an der Spitze der KfW Bankengruppe hat es in sich gehabt: Die KfW hat sich am EADS-Konsortium beteiligt, hat im Sommer aus den ehemaligen Marshallplan-Geldern rd. 7,8 Mrd. Euro übertragen bekommen. Über eine Fusion mit der GTZ in der Entwicklungszusammenarbeit wird diskutiert. Die KfW fördert so viel wie nie …und dann hat die Rettung der IKB Ihre letzten sechs Wochen dominiert.
Matthäus-Maier: Ja, leider werden die Leistungen der KfW durch die Rettung der IKB derzeit überdeckt. Ich sage offen, das betrübt mich. Die größte Leistung der KfW in diesem Jahr ist, dass wir das Fördervolumen und die Qualität des Angebots in der KfW gesteigert haben. Die ersten sieben Monate dieses Jahres waren mit 49,8 Mrd. Euro Fördervolumen die erfolgreichsten sieben Monate in den 59 Jahren seit Bestehen der KfW. Alle Geschäftsfelder verzeichnen beim Fördervolumen hohe Zuwachsraten. Bei den Kleinkreditprogrammen Mikrodarlehen und Startgeld etwa sind die Zusagen, nachdem wir die Zinsen um ein Drittel gesenkt haben, um 35 Prozent gestiegen. Und wir sind weltweit einer der größten Finanzierer für erneuerbare Energien.
Wie ist der Stand der Dinge bei der IKB?
Wir haben für die Risiken der IKB, an der wir mit 38 Prozent beteiligt sind, am Abend des 29. Juli gemeinsam mit den Bankenverbänden eine Abschirmung über 3,5 Mrd. Euro beschlossen. Das erfolgt durch die KfW mit 70 Prozent. Die Abschirmung wird jetzt von KfW und den Bankenverbänden umgesetzt. Hierfür wurde ein Pool begründet, den wir anführen. Unser Verwaltungsrat hat vergangene Woche die von der KfW getragenen Maßnahmen einstimmig gebilligt.
Warum hat man zur Rettung der IKB denn überhaupt die Bankenverbände, die die übrigen 30 Prozent der Risikoabschirmung tragen, mit ins Boot genommen? Aus reinen beihilferechtlichen Gründen? Hätte man die ganze Sache nicht auch etwas mehr im Stillen regeln können?
Die Bankenverbände und wir haben das nicht nur gemacht, um die von verschiedenen Seiten erwarteten massiven Belastungen für den deutschen Finanzmarkt zu vermeiden, sondern auch aus dem jeweiligen Eigeninteresse. Die drei Säulen sind jeweils auch geschäftlich mit der IKB verbunden. Für uns als KfW zum Beispiel wäre bei einer Insolvenz der IKB nicht nur die Beteiligung vollständig abzuschreiben gewesen. Auch die im Rahmen der Mittelstandsfinanzierung an die IKB ausgereichten Kredite hätten im Verwertungsfalle Verluste erlitten. Hier befinden sich die Mitgliedsinstitute der Verbände wahrscheinlich grundsätzlich in einer ähnlichen Situation. Ein Ende der IKB hätte außerdem einen massiven Vertrauensverlust in den deutschen Bankenmarkt erwarten lassen. Stellen sie sich vor, die am Freitag noch goldgeränderte IKB mit der guten Bonitätsnote „AA“ wäre am Montag im Schuldenmoratorium gewesen. Undenkbar.
Finanzminister Steinbrück sagt, die Finanzkrise ist noch nicht überwunden.
Durch diese Operation haben KfW und Bankenverbände entscheidend mitgeholfen, die Finanzkrise bisher im Griff zu halten. Die große Frage wird sein: Schwappt sie auf die Realwirtschaft über?
Was meinen Sie?
Die Frage kann man noch nicht abschließend beantworten. Angesichts der weiterhin stabilen Konjunktur, der guten Bilanz- und Ertragssituation der Unternehmen sowie ihrer robusten Investitionsneigung ist in Deutschland vielleicht eine Abschwächung, aber, so hoffe ich, kein Einbruch des Wachstums zu erwarten.
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