Rund ein halbes Jahr nach der milliardenschweren Rettung der IKB verkaufen die beiden größten Anteilseigner ihre Anteile an der Mittelstandsbank. Finanzkreisen zufolge erhielten über 50 potenzielle Käufer zum Start des Verkaufsprozesses Ende vergangener Woche Informationsmemoranden zur Lage der Bank. Die KfW wollte sich dazu nicht äußern.
bas FRANKFURT. Die staatliche Förderbank KfW und die Stiftung Industrieforschung bieten insgesamt 49,6 Prozent an der IKB
feil. Als mögliche Käufer gelten ausländische Institute, die mit einer Übernahme der IKB
einen nennenswerten Einstieg in das Firmenkundengeschäft in Deutschland hätten. Aber auch einige deutsche Banken könnten zumindest ein unverbindliches Kaufangebot abgeben - selbst wenn sie wie die Commerzbank
und die genossenschaftliche DZ -Bank
zuletzt ihr Interesse wegen der Krise relativierten oder wie die Deutsche Bank
und die Hypo
-Vereinsbank
völlig abwinkten. In der Regel haben die Interessenten für ein Angebot rund einen Monat Zeit. Nach mehreren Wochen der Prüfung erhalten die ausgewählten Interessenten dann in der zweiten Runde einen tieferen Einblick in die IKB
-Zahlen.
Mehr als eine generelle Interessensbekundung kann das erste Angebot im Fall der IKB
jedoch nicht sein, denn zentrale Punkte sind noch ungeklärt - allen voran, ob die IKB
vor eventuell noch auftauchenden Risiken komplett abgeschirmt werden wird oder nicht. Im Zuge des Rettungspakets hatten KfW und Bankenverbände mehr als sechs Mrd. Euro an Risiken übernommen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist zudem die Lage der IKB
schwer abzuschätzen: Weder liegt der korrigierte Jahresabschluss der IKB
für das Geschäftsjahr 2006/07 (per 31. März) vor, noch gibt es seit Juli irgendwelche Geschäftszahlen.
Die US-Investmentbank Merrill Lynch
berät die KfW, die derzeit 37,8 Prozent an der IKB
hält, beim Verkauf. Sollte die staatliche Förderbank ihr Recht ausüben, die in diesem Monat begebenen Wandelanleihen in IKB
-Aktien
umzutauschen, und diese Aktien mit in den Korb werfen, stiege das Paket, das unter den Hammer käme, sogar auf bis zu 54,1 Prozent. Mit einem solchen Mehrheitspaket könnten die Interessenten vermutlich einen höheren Preis erzielen. Die bisher angebotenen 49,6 Prozent wären zum aktuellem Börsenkurs der IKB
gerade einmal 235,7 Mill. Euro wert.
Ebenfalls auf den Markt kommen könnte ein IKB
-Aktienpaket,
das die Privatbank Sal. Oppenheim hält. Die Kölner hatten sich mit gut fünf Prozent an der Industriebank beteiligt, mit der sie seit 2003 über eine strategische Allianz
verbunden sind. Diese Kooperation, bei der Oppenheim den mittelständischen IKB
-Kunden
die Vermögensverwaltung anbietet, fällt im Falle einer Übernahme der IKB
durch ein anderes Finanzinstitut wohl weg. Allerdings muss für Sal. Oppenheim vermutlich der Preis stimmen, hatte die Privatbank doch im August noch ihren Anteil von 3,2 auf gut fünf Prozent aufgestockt - und damals nach einem bereits drastischen Kurssturz immer noch deutlich mehr als doppelt so viel für die Papiere bezahlt als sie heute an der Börse wert sind.

