Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) übt angesichts des erneuten Rettungsbedarfs bei der IKB Mittelstandbank heftige Kritik an der Führung der angeschlagenen Bank. "Ich bin alles andere als zufrieden mit dem Krisenmanagemant der IKB", sagte Steinbrück.
Finanzminister Steinbrück fordert von den deutschen Banken eine schnellere Offenlegung ihres Abschreibungsbedarfs.
DÜSSELDORF. Die Vorgänge bei der Düsseldorfer Mittelstandsbank seien für ihn Beleg dafür, weshalb er von den deutschen Banken eine schnellere Offenlegung ihres Abschreibungsbedarfs einfordere.
„Das Ausmaß, in dem viele Kreditinstitute bereit gewesen sind, sich außerhalb ihrer Bilanz zu engagieren, hat automatisch dazu geführt, dass Wirtschaftsprüfer, Aufsichtsräte, Verwaltungsräte und Aufsichtsbehörden keinen Einblick und keine Möglichkeit hatten, Risiken zu bewerten“, sagte der SPD-Politiker. Das hätten einige Kreditinstitute vorsätzlich strategisch betrieben, bis hin zu einer Informationspolitik, die nur als Irreführung bezeichnet werden könne. Steinbrück forderte die Banken auf, „schnell alles offenzulegen, was sie an erkennbaren Risiken mitschleppen, damit der Markt nicht im 14-Tagesrhythmus von Hiobsbotschaften weiter nervös gemacht wird“. Außerdem gebe es einen Bedarf an weiteren Spielregeln, um systemische Krisen zu verhindern. So müsse auch geprüft werden, ob Basel II nicht an mancher Stelle nachjustiert werden müsse.
Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen wird bei den anstehenden Krisentreffen in diesen Tagen auch darüber entschieden, ob KfW-Vorstand Bräunig den Verkauf und die Risikobewertung der IKB weiterhin alleine veranworten soll. Demnach gibt es Überlegungen, mehrere professionelle Investmentbanker an die Seite von Bräunig zu stellen. Darüber soll der Verwaltungsrat der KfW bei seiner nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch ebenfalls entscheiden.
Noch völlig offen ist nach Angaben aus Regierungskreisen, ob die Düsseldorfer Mittelstandsbank komplett oder in Teilen verkauft wird. Aus Bankenkreisen erfuhr das Handelsblatt, dass der Erlös abhängig von der Verkaufsstrategie bei 800 Mill. beziehungsweise 1,2 Mrd. Euro liegt.
Wie das erneut notwendige Rettungspaket für die IKB gestemmt wird, ist noch unklar, darüber will Bundesfinanzminister Steinbrück Montag mit den privaten Banken und der KfW verhandeln. Nach Angaben aus Regierungskreisen stoße die KfW-Bankengruppe mittlerweile an ihre finanziellen Grenzen, um noch einmal einen größeren Teil eines Rettungspakets zu übernehmen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich erstmals auch der Bund an einer Lösung beteiligt. Vorraussetzung ist nach Informationen des Handelsblatts eine "haushaltsneutrale Lösung". Demnach gibt es Überlegungen, dass sich der Bund seine Finanzspritze über den späteren Verkaufserlös der IKB-Bank zurückholt.
Problematisch sei jedoch, dass in diesem Fall Kreditportfolios abgeschrieben werden müssen, die das Management der IKB bisher als völlig sicher eingestuft hatte. In der Bundesregierung rechnet man deshalb damit, dass es nicht bei dieser dritten Rettungsaktion bleibt. Vor einer vierten Rettungsaktion will das Finanzministerium die IKB jedoch verkauft haben. Als Interessent vor allem für die gesunde Mittelstandsfinanzierung der IKB hält sich weiter NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers im Gespräch, der trotz WestLB-Krise weiter daran interessiert ist.
Lob gab es von Steinbrück derweil für den Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ würdigte der SPD-Politiker den vor wenigen Tagen vorgelegten Jahresabschluss des Geldinstituts. „Ich mache der Deutschen Bank das Kompliment, dass sie sehr früh bereit war, Risiken auf ihre Bilanz zu nehmen und notwendige Wertberichtigungen vorzunehmen, was für Glaubwürdigkeit und Vertrauen sorgt“, wird Steinbrück zitiert.
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