0 Bewertungen
18.02.2008 
Rettungsplan in der Kritik

IKB bringt Bund in die Bredouille

von Sven Afhüppe und Nicole Bastian

Die Bundesregierung und die staatseigene Förderbank KfW als IKB-Großaktionär stecken weit mehr Geld in die Rettung der angeschlagenen Mittelstandsbank als von der Bundesregierung angekündigt.

Die auf langfristige Unternehmensfinanzierung spezialisierte IKB hatte sich bei ihren Investitionen um riesige Summen verspekuliert. Foto: dpa.Lupe

Die auf langfristige Unternehmensfinanzierung spezialisierte IKB hatte sich bei ihren Investitionen um riesige Summen verspekuliert. Foto: dpa.

BERLIN/FRANKFURT. Von dem 2,3 Mrd. Euro schweren Rettungspaket tragen Bund und die staatseigene Förderbank KfW mit zwei Mrd. Euro den absoluten Löwenanteil. Nur 300 Mill. Euro stammen von den privaten Banken. Zuvor hatte es geheißen, die Banken sollen 500 Mill. Euro zuschießen. Inzwischen wächst die Kritik an der Beteiligung des Bundes an der IKB-Rettung.

Insgesamt summiert sich die Rettungssumme für die im vergangenen Sommer ins Straucheln geratene Mittelstandsbank, die in mehreren Runden aufgefangen wurde, nun auf rund 8,5 Mrd. Euro. Gezahlt haben bisher KfW, Bund und die Verbände der deutschen Kreditwirtschaft. Allein der Anteil der KfW beträgt mittlerweile fast sechs Mrd. Euro.

Die auf langfristige Unternehmensfinanzierung spezialisierte IKB hatte sich bei ihren Investitionen um riesige Summen verspekuliert. Die drohende Insolvenz konnte nur durch milliardenschwere Rettungspakete verhindert werden. Die jüngste Finanzspritze war nötig geworden, weil die IKB auf verbriefte Wertpapiere in Höhe von rund sechs Mrd. Euro in ihrer Bilanz 950 Mill. Euro abschreiben musste.

Am späten Samstagabend teilte die IKB nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit, wie das jüngste Rettungspaket verwendet werden soll: Auf einer nun für den 27. März angesetzten Hauptversammlung will die schwer angeschlagene Mittelstandsbank ihr Eigenkapital um knapp 1,5 Mrd. Euro erhöhen. Da nicht damit gerechnet werden kann, dass jeder Altaktionär sein Bezugsrecht wahrnimmt, hat die KfW der Finanzaufsicht BaFin zugesichert, dass der IKB bei dieser Kapitalerhöhung mindestens 1,25 Mrd. Euro zufließen. Im Zweifel gibt also die KfW der IKB das Geld.

Eine solche Zusicherung war notwendig, um die IKB über den gesetzlich vorgeschriebenen Eigenkapitalquoten zu halten. Zusätzlich hat sich die KfW verpflichtet, das Kernkapital der IKB bis zu diesem Dienstag um weitere 600 Mill. Euro zu stärken. Auch dies musste sie der Finanzaufsicht zusichern. Allein diese beiden Hilfen summieren sich für die KfW zu einer Belastung von 1,85 Mill. Euro. Damit sie nicht zu hoch belastet wird, zahlt der Bund der KfW wiederum 1,2 Mill. Euro und damit 200 Mill. Euro mehr als bisher angekündigt. Der Bundesverband der privaten Banken (BdB) zahlt 300 Mill. Euro.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Brisante Vorgehensweise

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Sauber- und Buhmänner

24.07.2008 , 13:43 Uhr
Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Phoenix-Anleger müssen sich gedulden  Artikel in Merkliste

23.07.2008

Die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen gerät unter Druck: Die Behörde braucht dringend Geld, um die rund 30 000 Anleger des insolventen Optionshändlers Phoenix Kapitaldienst zu entschädigen, Sie waren Opfer des größten Kapitalanlagebetrugs der Nachkriegsgeschichte. Artikel


Anzeige