Die Aktionäre der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB haben einer Kapitalerhöhung von 1,5 Mrd. Euro zugestimmt. Mit deutlicher Mehrheit sprachen sich die Anteilseigner auch für eine Sonderprüfung bei Vorstand und Aufsichtsrat aus.
HB DÜSSELDORF. Die Zustimmung der anwesenden Anteilseigner zu der Kapitalmaßnahme habe 99,02 Prozent betragen, teilte die IKB am Freitagmorgen mit. Die Aktionärsversammlung hatte bis in die Nacht gedauert. In der Hauptversammlung am Donnerstag wurde auch über eine Sonderprüfung entschieden. Die Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) wollte klären lassen, ob der Vorstand bei Verbriefungsgeschäften die gesetzlichen oder Satzungspflichten ordnungsgemäß erfüllt hat.
Die Aktionäre stimmten einer Sonderprüfung bei Vorstand und Aufsichtsrat mit je über 82 Prozent mit deutlicher Mehrheit zu. Damit wurde die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat vertagt. Bei allen Mitgliedern des Aufsichtsrates sowie beim Personalvorstand Claus Momburg, der als einziges Mitglied des alten Vorstandes weiterhin tätig ist, wurde die Entlastung bis zur Klärung durch die Sonderprüfung verschoben. Der übrige, inzwischen ausgetauschte Vorstand wurde – wie vor der Hauptversammlung angekündigt – nicht entlastet.
Der Aufsichtsrat der Bank hatte bei dem Aktionärstreffen jegliche Verantwortung für die Milliarden-Verluste des Instituts am US-Hypothekenmarkt von sich gewiesen. „Die Krise hat uns ebenso überrascht wie Sie“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Hartmann. Bis zur Bekanntgabe der Fehlspekulationen im Juli 2007 hätten dem Aufsichtsrat bekannte Prüfungen keinerlei Hinweise auf Risiken ergeben. Über Probleme mit zweitklassigen US-Krediten sei das Gremium erst zu spät durch den damals amtierenden Vorstand informiert worden.
Wegen riskanter Spekulationen mit zweitklassigen Hypothekenkrediten wäre die Bank im Sommer 2007 fast zusammengebrochen, hätten nicht in mehreren Rettungsschritten Bund und Kreditbranche bislang rund 8,5 Mrd. Euro an Hilfen gewährt. Die staatliche KfW Bankengruppe, die bislang 43,4 Prozent an der IKB hält, stützte die IKB mit sechs Mrd. Euro. Sie wird auch die geplante Kapitalerhöhung über knapp 1,5 Mrd. Euro zeichnen.
In der von Zwischenrufen geprägten Hauptversammlung hatten die Aktionäre teils lautstark ihrem Unmut Luft gemacht. Hans Richard Schmitz von der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) hatte die Sonderprüfung beantragt. Es sei zwar verständlich, dass sich der Aufsichtsrat als unschuldig darstelle. Es sei jedoch der „richtige und hygienischere Weg“, die Entlastung zu verschieben, sagte Schmitz.

