Das erste Gerücht stimmte nicht, das zweite war wohl ein Treffer: Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender des Förderinstituts NRW-Bank, wird offenbar neuer Chef der KfW Bankengruppe und damit Nachfolger von Ingrid Matthäus-Maier. Schröder war zuvor bereits bei der Neubesetzung einer anderen Stelle im Gespräch.
Ulrich Schröder, bislang Vorstandsvorsitzender der NRW-Bank, wird neuer Chef der Staatsbank KfW. Foto: dpa
FRANKFURT/BERLIN. Der 56-Jährige galt lange Zeit als Kandidat für den Chefsessel bei der WestLB, der dann aber an den früheren DZ-Bank-Vorstand Heinz Hilgert ging. Auf der letzten Bilanz-Pressekonferenz hatte Schröder noch erklärt, sein Vertrag bei der NRW-Bank laufe bis 31. Dezember 2010, an einen vorzeitigen Wechsel denke er nicht. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte den KfW-Chefposten abgelehnt.
Die Wahl sei auf Schröder gefallen, weil er im Umgang mit der Politik große Erfahrung habe und ein umsichtiger Manager sei, hieß es gestern in Regierungskreisen. Schröder genieße gleichermaßen das Vertrauen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der derzeit Vorsitzender des KfW-Verwaltungsrates ist. Das Vorschlagsrecht für den Spitzenposten liegt innerhalb der großen Koalition bei der Unionsseite. In den Kreisen hieß es, Schröder sei von der Union vorgeschlagen worden, werde aber zugleich von der SPD-Seite unterstützt. Für Steinbrück ist Schröder aus der Historie der WestLB heraus kein Unbekannter. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wollte diese Entwicklung offiziell bisher allerdings nicht bestätigen.
„Ich halte Schröder für keine schlechte Wahl, schließlich hat er die NRW–Bank gut aufgestellt“, meinte der Finanzexperte der FDP, Frank Schäffler. „Aber es muss sich erst zeigen, ob ein Förderbanker auch der richtige Mann ist für das Krisenmanagement bei der IKB.“ Die KfW hatte für die Rettung ihrer Tochter, der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die sich mit Verbriefungsgeschäften an den Rand des Abgrunds gebracht hatte, mehr als sechs Mrd. Euro gezahlt und war so selbst ins Schleudern geraten.
Schröder begann seine Karriere nach dem Studium der Rechtswissenschaft und der Betriebswirtschaft mit anschließender Promotion 1983 bei der damals noch als Westdeutsche Landesbank Girozentrale firmierenden Bank. Nach verschiedenen leitenden Positionen im In- und Ausland rückte er in den Vorstand der Düsseldorfer Landesbank auf. Nach der Aufspaltung der Westdeutschen Landesbank in die WestLB AG und die NRW-Bank auf Druck der Brüsseler Wettbewerbshüter wechselte Schröder im August 2002 in den Vorstand des neuen Förderinstituts; im Januar 2006 rückte er dort an die Spitze. Mit 815 000 Euro verdient er bei der NRW-Bank fast doppelt so viel wie Matthäus-Maier vorher an der KfW-Spitze. Es gilt als ausgemacht, dass der Verwaltungsrat das Gehalt des Vorstandschefs anheben wird.
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