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29.04.2008 
Operative Verluste

IKB bricht Stammgeschäft weg

von Nicole Bastian

Die Mittelstandsbank IKB kämpft in ihrer Verkaufsphase nicht nur mit Milliardenabschreibungen auf Finanzanlagen, sondern auch mit deutlichen Dämpfern im Kerngeschäft. Die teurere Refinanzierung, eine erhöhte Risikovorsorge und der Ausfall eines Eigenkapitalengagements sorgten im ersten Geschäftshalbjahr im zentralen Firmenkundengeschäft für einen operativen Verlust von 18 Millionen Euro.

Durch die Finanzkrise schwer belastet: Die Mittelstandsbank IKB muss operative Verluste hinnehmen. Foto: apLupe

Durch die Finanzkrise schwer belastet: Die Mittelstandsbank IKB muss operative Verluste hinnehmen. Foto: ap

FRANKFURT. Ein Jahr zuvor hatte die Bank zwischen April und Ende September hier noch einen Gewinn von 42 Mill. Euro erwirtschaftet. „Auch die Kernsegmente sind von der Krise nicht verschont worden, aber das Neugeschäft ist insgesamt sehr zufriedenstellend“, sagte IKB-Vorstandschef Günther Bräunig. Er glaube nicht, dass die Verluste in Kernsegmenten das Interesse möglicher Bieter schmälerten. „Die schauen vielmehr auf die Zukunft und sehen vor allem Synergie- und Cross-Selling-Potenziale.“ So könnte ein Käufer neue Produkte oder Kunden mitbringen.

Neun mögliche Bieter hätten derzeit vertieften Einblick in die Bücher, darunter sowohl strategische als auch Finanzinvestoren. Die Gespräche über mögliche strategische Kombinationen hätten ihn ermutigt. Er sei überzeugt, dass die Bank mit einem neuen Partner und entsprechenden Synergieeffekten nach einer Anlaufphase eine Eigenkapitalrendite von „15 Prozent und mehr“ erreichen könne. Im ersten Geschäftshalbjahr lag diese jedoch bei minus 150 Prozent.

Die IKB hatte sich mit Verbriefungsgeschäften verhoben und muss mit mehr als acht Mrd. Euro gerettet werden. Die staatseigene Förderbank KfW als Hauptaktionärin hat ihren Anteil von gut 45 Prozent zum Verkauf gestellt. Mitte Mai endet die Frist für verbindliche Angebote.

Die IKB legt ihre Halbjahreszahlen mit Verspätung vor, weil sie nach dem Quasi-Kollaps ihren letzten Jahresabschluss korrigieren und ein milliardenschweres Investmentvehikel konsolidieren musste. Allerdings gibt das Zahlenwerk auch jetzt nur begrenzt Aufschluss über die tatsächliche Situation der mit Milliardensummen von der Konzernmutter KfW geretteten Bank. Nur weil die Rettungszahlung von 2,2 Mrd. Euro als Einnahme verbucht werden kann, muss das Institut in dem Geschäftshalbjahr nicht mehr als drei Mrd. Euro an Verlusten ausweisen. Rund zwei Mrd. Euro muss die IKB im ersten Halbjahr wegen ihrer Verbriefungsgeschäfte ergebniswirksam abschreiben, eine weitere Mrd. Euro muss sie ergebnisneutral wertberichtigen.

Für das Gesamtjahr bleibt die IKB bei ihrer Prognose eines Konzernverlusts von 200 Mill. Euro. Dieser verhältnismäßig geringe Betrag erklärt sich aber vor allem aus Sondereffekten wie der zusätzlichen Risikoabschirmung und der Belastung von Inhabern stiller Beteiligungen und von Genussscheinen, die die Bank als Ertrag verbucht. Diese Geldgeber müssen mit Verlusten zwischen 40 und 70 Prozent ihres Nominalwerts rechnen. Bräunig rechnet damit, dass die IKB das Geld aus der im März beschlossenen Kapitalerhöhung von mindestens 1,25 Mrd. Euro Ende Juli erhalten wird.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers weist jedoch darauf hin, dass viele Risiken weiterbestehen. Etwa, ob die IKB die strukturierten Wertpapierportfolios auf ihrer Bilanz zu „ausreichenden Preisen“ veräußern kann, ob der Zugang zu unbesicherter Refinanzierung für das laufende Jahr klappt, die Verlängerung besicherter Geldmarktrefinanzierungen funktioniert und ob die EU keine Vorbehalte gegen die Rettung hat.

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