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30.08.2007 
Private Equity

Krise bremst Firmenkäufer aus

von Jens Koehnen, Peter Köhler und Robert Landgraf

Die Krise bei bonitätsschwachen Hypotheken am US-Immobilienmarkt erschwert die Finanzierung von neuen großen Unternehmenskäufen. Finanzinvestoren haben zunehmend Probleme, größere Deals über die Banken zu finanzieren. Selbst bereits gegebene Zusagen wackeln.

Das M&A-Geschäft ist praktisch zum Erliegen gekommen. Foto: apLupe

Das M&A-Geschäft ist praktisch zum Erliegen gekommen. Foto: ap

FRANKFURT. Der Erwerb des Automatisierungsspezialisten Schenck Process in Darmstadt von HgCapital durch den Finanzinvestor Industri Kapital vor wenigen Tagen könnte die letzte Transaktion in der Größenordnung von rund einer halben Milliarde Euro und mehr gewesen sein. In dieser Höhe schätzen Branchenexperten den Verkaufspreis. Bei Deals in dieser Größenklasse klemmt es nach Einschätzung von Andreas Diem, Partner bei der internationalen Anwaltskanzlei Latham&Watkins. Der Finanzierungsengpass trifft vor allem Private-Equity-Häuser, die sehr stark auf Kredite angewiesen sind. Finanzinvestoren sammeln über Beteiligungsfonds Finanzmittel bei Großanlegern ein und kaufen Unternehmen. Die Firmen werden restrukturiert und wieder abgestoßen. Die Transaktionen sind mit bis zu 80 Prozent stark kreditfinanziert.

Gerade bei Finanzinvestoren war es im laufenden Jahr bei Fusionen und Übernahmen (M&A) speziell in Deutschland und in den USA gut gelaufen. Mit 26,24 Mrd. Dollar haben die Beteiligungshäuser nach den Berechnungen des britischen Finanzdatenanbieters Thomson Financial 2007 einen Marktanteil von 24 Prozent bei Übernahmen. Im August kam das Geschäft mit gut einer Mrd. Dollar praktisch zum Erliegen. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den USA. Mit 426,50 Mrd. Dollar liegt der M&A-Anteil der Finanzinvestoren derzeit sogar bei 33 Prozent. Im August war mit 2,48 Mrd. Dollar fast Fehlanzeige.

Es gibt derzeit keine Hoffnung auf eine Verbesserung. Aber: „Transaktionen im Volumen von 200 bis 300 Mill. Euro lassen sich nach wie vor gut finanzieren“, sagt Oliver Felsenstein, Private-Equity- und Finanzierungsexperte der internationalen Anwaltskanzlei Clifford Chance. Solche Größenordnungen könnten die Banken zur Not in die eigenen Bücher nehmen, falls eine Platzierung am Markt nicht sofort klappen sollte. Zwischen der Zusage und der endgültigen Dokumentation des ausgehandelten Vertrages herrscht aber eine große Unsicherheit bei den Finanzinvestoren, hat Rechtsanwalt Diem festgestellt. Die Finanzinvestoren sähen die Gefahr, dass die Banken bei einer Verschärfung der Krise „nicht mehr zu ihrem Commitment stehen“. Ohnehin würden viele Banken kaum das gesamte Volumen eines Deals schultern, um es später weiterzuplatzieren. Viele Institute wollten nur die Hälfte oder ein Drittel zeichnen, sagt der Experte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Höheres Risikobewusstsein".

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