Wunsch und Wirklichkeit klaffen nirgends so weit auseinander wie am Finanzplatz Liechtenstein. Offiziell steht es mit dem Bankenstandort nach wie vor zum Besten, der Bankenverband rühmt sich angesichts des verwalteten Vermögens beachtlicher Erfolge. Aber die Wirklichkeit hat auch ihre dunklen Seiten. Und die setzen vor allem die Institute, die offiziell im Fürstentum aktiv sind, immer stärker unter Druck.
Alpen-Steueroase im Fokus: Das Ortseingangsschild von Vaduz, wo die Mehrzahl der 15 lizensierten liechtensteinischen Banken beheimatet ist. Foto: ap
ZÜRICH. Das offizielle Bild sieht so aus: Als diese Woche die Schweizer Wirtschaftsministerin Doris Leuthard den Liechtensteiner Regierungschef Otmar Hasler besuchte, strahlten beide in die Kameras, schüttelten lange die Hände, redeten über dies und das und natürlich ganz entspannt auch über die Steueraffäre. Sowohl Liechtenstein wie auch die Schweiz seien sich einig, dass Steuerbetrüger zur Rechenschaft gezogen werden müssten, hieß es anschließend. Die Gesetze seien einzuhalten und Steuern grundsätzlich dort zu bezahlen, wo man lebe.
Wer dieses offizielle Bild vervollständigen möchte, muss nur in den Onlinediensten, die über das Treffen berichten, etwas weiter nach unten scrollen. Dort hat sich jemand gedacht, dass Leser, die sich für diesen Artikel interessieren, vielleicht auch folgende Inhalte spannend finden: Ein Fachblatt namens „Kapital und Steuern“ warnt beispielsweise vor dem „totalitären Steuerstaat“. Dann geht es ins Detail: „Das Vermögensrisiko Steuergesetzgebung war für Deutsche noch nie so groß wie heute. Gegen diesen Teil des Vermögensfraßes müssen Sie sich genauso wehren wie gegen Inflation oder magere Renditen.“ Etwas weiter unten macht ein Unternehmen namens Swiss-Finanz darauf aufmerksam, dass demnächst die Abgeltungsteuer in Deutschland in Kraft tritt – womit es, so wird nahegelegt, höchste Eisenbahn sei, sein Geld in Sicherheit zu bringen.
Infografik: Standorte, Zahlen und Geschäftsführer der Liechtensteiner Banken
Wunsch und Wirklichkeit klaffen nirgends so weit auseinander wie am Finanzplatz Liechtenstein. Offiziell steht es mit dem Bankenplatz Liechtenstein nach wie vor zum Besten. 15 Banken gibt es, die 2006 rund 160 Mrd. Schweizer Franken (100 Mrd. Euro) im Auftrag ihrer Kunden verwaltet haben. Vergangenes Jahr dürften einige weitere Milliarden hinzugekommen sein. „Der beachtliche Erfolg ist das Ergebnis des stabilen politischen Umfelds und der hohen Professionalität der Banken und ihrer Mitarbeiter“, glaubt der liechtensteinische Bankenverband. Und sein Präsident Josef Fehr fügt hinzu: In vielen Belangen seien insbesondere die Banken in der Schweiz unverzichtbare Partner.
Er hat recht, aber um die Wirklichkeit zu beschreiben, gehört auch Folgendes dazu: Mindestens 200 Mill. Euro liegen allein nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Bochum in Liechtenstein, die von ihren Besitzern in Deutschland nicht versteuert worden sind. Der Betrag dürfte nur ein Bruchteil von dem ausmachen, was tatsächlich getarnt durch Liechtensteiner Stiftungen auf Bankkonten in dem kleinen Land und eben auch in der Schweiz und Österreich liegt.
Dass dieses System gut funktioniert, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die größte, und derzeit undichteste Bank des Landes, die LGT, der Fürstenfamilie gehört, die im Land die Richter auswählt, das Staatsoberhaupt stellt und die Gesetze unterschreibt. Ein Liechtensteiner Treuhänder kommt bei einem Vergleich zwischen Deutschland und Liechtenstein zu dem Schluss: Das System sei so, „als wenn euer Bundespräsident Horst Köhler noch immer Sparkassenpräsident wäre“. Kommunikationsberater, die Liechtenstein inzwischen ihre Dienste anbieten, schütteln deswegen ungläubig den Kopf, wenn ausgerechnet der Erbprinz Alois als Verteidiger des liechtensteinischen Finanzplatzes auftritt. Ihm eigene Interessen zu unterstellen liege auf der Hand.
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