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HANDELSBLATT, Mittwoch, 7. Mai 2008, 11:38 Uhr
Touristikkonzern Tui

Schlacht der Kommunikationsberater

Von Sönke Iwersen und Anke Rezmer

Tui steht vor einem spektakulären Aktionärstreffen. Auf der einen Seite Michael Frenzel, der Dax-Chef mit den meisten Dienstjahren und dem wenigsten Erfolg. Auf der anderen John Fredriksen, ein aggressiver Großreeder aus Norwegen. Und wenn auch vieles unklar ist vor dem Aufeinandertreffen, so steht doch ein Gewinner schon fest: Es ist die Zunft der PR-Berater.


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DÜSSELDORF/FRANKFURT. Wohl selten in der deutschen Unternehmensgeschichte hat ein einzelner Konzern in so kurzer Zeit für so viele Tageshonorare und Spesenabrechnungen von Spin-Doktoren gesorgt wie Tui. Zwar beschäftigt Tui in Hannover selbst eine gut ausgestattete Öffentlichkeitsabteilung. Für den Abwehrkampf gegen Fredriksen, der Tui aufspalten will, leistet sich das Unternehmen aber eine der teuersten PR-Agenturen der Republik: Hering Schuppener.

Doch auch die Gegenseite spart nicht. Fredriksen lässt neben Investmentbankern aus London auch die international tätige "Strategieberatung für Kommunikation" Brunswick für sich arbeiten. Die Spezialisten sind vor allem im Hintergrund aktiv; aber bei der Hauptversammlung werden sie den anreisenden Aktionären schon vor Betreten des Congress Centrums in Hannover "Infopakete" in die Hände drücken - nur für den Fall, dass jemand nach dem medialen Dauerfeuer der vergangenen Tage noch nicht mitbekommen hat, wie schlecht Fredriksen die Leistung von Frenzel bewertet und wie dringend er selbst in den Aufsichtsrat möchte. Für neun Uhr hat Brunswick auch zu einem Round-Table- Gespräch für Journalisten eingeladen, an dem auch Fredriksen, der größte Tui-Einzelaktionär, teilnimmt.

TUI AG NA
Chart: TUI AG NA
Analystenmeinung

Wer den zweitgrößten Tui-Aktionär, den Russen Alexej Mordaschow, sprechen will, ruft nicht etwa in Moskau an, sondern in München. Dort hat Mordaschow die Kommunikationsberatung CNC beauftragt, eine der einflussreichsten Agenturen Europas. CNC ist praktisch überall aktiv, wo Unternehmen in "Sondersituationen" kommen, wie es im Branchenjargon heißt. Die Experten von CNC erklären jetzt, warum der russische Stahlunternehmer Mordaschow gemeinsam mit Tui große Tourismuspläne schmiedet.

Das Ergebnis dieser vielköpfigen Schar von Kommunikationsexperten ist vor allem eines: eine Verwirrung. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht der eine oder andere PR-Berater eine Geschichte in dem einen oder anderen Blatt platziert hat. Ist Frenzel wirklich siegessicher? Hat Fredriksen tatsächlich 30 Prozent des Kapitals hinter sich? Nachprüfbare Aussagen sind selten, oft werden sie sofort dementiert. Das allein allerdings kann die PR-Lawine nicht bremsen. Für ein paar tausend Euro Tagessatz haben die Kommunikationsexperten immer schon das nächste Gerücht im Angebot.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Fondsanbieter könnten der entscheidende Faktor sein


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