Während aus deren Kreisen schon von „Re-Monopolisierung durch die Staatsbahnen“ gesprochen wird, hält Leenen das für eine völlig normale Marktentwicklung. „Europaweit werden am Ende nur drei, vier große Anbieter den Gesamtmarkt bedienen. Die kleineren Unternehmen sind gut beraten, sich in Nischen oder Regionen zu spezialisieren. Da ist auch gutes Geld zu verdienen.“
Das sieht auch Mohnsen so. Der gelernte Spediteur setzt für TX, die zu 51 Prozent der italienischen Bahn Trenitalia gehört, auf „Schienengüterverkehrsleistung mit Mehrwert. Wir verstehen uns nicht als Transporteur, sondern als privater Logistiker in diesem Geschäft.“ Das Unternehmen, das bislang überwiegend international „Ganzzüge“ geschlossen vom Start- zum Zielbahnhof etwa mit Containern oder in der Automobillogistik fährt, empfiehlt sich als Anbieter für branchenspezifische Transportlösungen. „Uns interessieren dabei nicht die Preise der Bahn-Wettbewerber, wir wollen ein bisschen besser sein als die Straße“, sagt Mohnsen. Der italienische Mehrheitseigentümer lasse dazu alle Freiheiten.
Große wie kleine Bahnen richten ihr Augenmerk immer mehr auf die wachsenden Ost-West-Verkehrsströme. Railion beteiligt sich in Polen mit 70 Prozent an der neuen Firma East West Railways mit Schwerpunkt Chemietransporte und weiter östlich an der Eurasia Rail Logistics, die die bürokratischen und technischen Hemmnisse auf der Achse Berlin – Moskau und weiter nach Asien ausräumen soll. Man beobachte zudem die Privatisierungsprozesse bei den Güterbahnen in Tschechien und Ungarn, sagte Railion-Vorstandschef Klaus Kremper. „Von Ungarn versprechen wir uns viel“, erklärt auch TX-Chef Mohnsen und fährt mit einem ungarischen Partner bereits Erztransporte von Budapest nach Hamburg.
Während sich der Wettbewerb bisher auf das kostengünstige Ganzzug-Geschäft konzentrierte, ringen Railion und die Schweizer SBB Cargo jetzt um den Einzelwagenverkehr. Dabei handelt es sich um Güterwagen, die individuell über Rangierbahnhöfe in verschiedenen Zügen befördert werden. So bietet SBB Cargo Haus-Haus-Verkehre vom Ruhrgebiet bis nach Italien an. Railion setzt dagegen: Kürzlich erwarb die Konzerntochter die kleine Schweizer Bahngesellschaft Brunner Rail Way Services. Als Railion Schweiz soll sie vor allem im Industriegebiet rund um Basel ins Einzelwagengeschäft einsteigen.
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