Der Manager eines großen Anbieters, der nicht genannt werden will, formuliert es drastischer: „So richtig traut noch keiner dem Boom im Schienengüterverkehr, jeder hat Angst, die Wagen selber zu kaufen, und damit läuft das Vermietgeschäft derzeit wie verrückt.“ Und das wird auch nach Ansicht von Branchenbeobachtern zunächst so bleiben.
Dieter Schneiderbauer, Verkehrsexperte der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton: „Schienenverkehrsleistung ist billiger geworden; die Wettbewerbsbeziehung zum Straßenverkehr hat sich verändert. Nun wird dringend mehr Ladevolumen gebraucht.“ Doch das sei knapp – bei Neufahrzeugen gebe es erhebliche Lieferengpässe: „Die Industrie hat nach dem jahrelangen Niedergang des Schienengüterverkehrs ihre Güterwagenproduktion in Westeuropa weithin eingestellt, und die Kapazitäten der osteuropäischen Hersteller sind begrenzt.“ Hinzu komme die Explosion bei den Stahlpreisen: Drehgestelle und Radsätze seien extrem teuer geworden.
In der zunehmenden Marktliberalisierung kann sich Schneiderbauer vorstellen, dass sich das traditionelle Zusammenspiel zwischen Bahnen und Vermietgesellschaften durch andere Varianten verändert. Denkbar sei beispielsweise, dass sich große Versender – etwa Container-Reedereien oder die Automobilindustrie – über mehrjährige Leasingverträge selbst ihr Rollmaterial beschaffen – und damit die Bahnen auf die weniger lukrative Carrier-Rolle zurückdrängten. Möglich sei auch, dass die Bahnen selbst zu Vermietern würden, um brach liegende Fahrzeugkapazitäten kurzfristig zu vermieten.
Privat auf Schienen:
Wagenpark: Rund 200 000 private Güterwagen werden nach Branchenangaben in Europa eingesetzt. Deutsche Vermietfirmen stellen 50 000 Fahrzeuge, 70 Prozent davon Kesselwagen.
Transportleistung: Nach Erhebungen der VTG wird die Hälte der Schienenfracht in Europa mit Privatwagen transportiert, bei gefährlichen Gütern seien es sogar 95 Prozent.
Wachstumsmarkt: Der Schienengüterverkehr wächst vor allem in Deutschland – 2006 um acht Prozent, 2007 um knapp vier Prozent, dann weiter um 2,6 Prozent, sagt das Statistische Bundesamt.

