0 Bewertungen
14.02.2008 

Der 64-jährige Zumwinkel gilt als Treiber, der der deutschen Wirtschaft den ersten Mindestlohn eingebrockt hat. Monatelang hat der Post-Chef dafür gekämpft, mit breiter Unterstützung der SPD und gegen die Interessen der Konkurrenz. Am Ende stand ein Mindestlohn, der nach Expertenansicht allein seinem Unternehmen das Überleben in der Post-Branche sichert. Dass Zumwinkel dann auch noch ein großes privates Aktienpaket an der Post verkaufte, als im Nachhall der Mindestlohneinführung die Papiere stiegen, brachte ihn noch mehr in die Kritik. Gut fünf Millionen Euro soll er an dem umstrittenen Geschäft privat verdient haben.

Von einem "Monopoly-Spiel" sprach die FDP, die Grünen nannten den Aktiendeal "moralisch verwerflich". Auch aus den Führungsetagen anderer deutscher Unternehmen hat Zumwinkel Kritik einstecken müssen. Zumwinkel selbst räumte später ein: "Ich habe einen Fehler gemacht. Der Zeitpunkt des Aktienverkaufs war nicht überlegt und in dieser Situation natürlich fatal."

Auch sein Agieren an der Spitze der Post wurde zuletzt kritischer gesehen. Vor allem das US-Geschäft, das sich offenbar als Milliarden-Grab erweist, kratzte am Image des erfolgreichen Unternehmenslenkers.

Dabei hatte der Post-Chef so große Pläne. An Selbstbewusstsein jedenfalls mangelte es ihm nicht. In seinem Büro in der 42. Etage des Post-Towers in Bonn hängt nicht zufällig ein Ölgemälde mit dem Porträt des Reichs-Postministers Heinrich von Stephan, der Ende des 19. Jahrhunderts das zersplitterte deutsche Postwesen vereinte. "Was er in Deutschland gemacht hat, mache ich jetzt auf der ganzen Welt", hat Zumwinkel einmal gesagt.

Etwa ab Jahresende, nach seinem 65. Geburtstag, wollte Zumwinkel dann an der Spitze des Post-Aufsichtsrates am Wachstum des gelben Riesens weiter mitwirken. Dieses Drehbuch muss jetzt wohl umgeschrieben werden.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Der Zar der Zertifikate  Artikel in Merkliste

Die Nachricht kam überraschend: Am Mittwoch gab Sal. Oppenheim bekannt, dass Siegfried Piel die Bank verlassen wird. Der Grund: „unterschiedliche Geschäftsauffassungen“. Mit dem Abgang verliert auch der deutsche Derivatemarkt einen seiner bekanntesten Vertreter. Artikel


Anzeige