Deswegen sind sie am Donnerstag im Morgengrauen angerückt - eine Truppe hat sich ab sieben Uhr morgens Zumwinkels Villa im Kölner Nobelviertel Marienburg vorgenommen, eine andere zeitgleich sein Büro im Bonner Post Tower. Seit Wochen war die Operation unter strengster Geheimhaltung geplant worden, wenige waren eingeweiht.
Die Behörden werfen dem Post-Chef Steuerhinterziehung mit Hilfe einer Liechtensteiner Stiftung vor. Dieses Steuersparmodell soll Zumwinkel bereits seit Mitte der achtziger Jahre praktizieren. Das Vermögen der Stiftung betrug angeblich zuletzt mehr als zehn Millionen Euro. Aus Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts, das den Staatsanwälten vorliegt, soll zudem hervorgehen: Der Post-Chef habe womöglich überlegt, sein Vermögen auf die Cayman-Inseln zu verlagern.
Bild für Bild: Wo Zumwinkel überall die Strippen zieht
Wieder einmal steht das Stiftungswesen des Fürstentums am Pranger, und wieder einmal besteht der Verdacht, Liechtensteiner Banken könnten kräftig beim Anhäufen von Schwarzgeld mitgeholfen haben. Und auch dieses Mal versuchen offizielle Stellen erneut, Beruhigendes von sich zu geben: Ein Rechtshilfeersuchen gebe es bislang nicht, sagt der leitende Staatsanwalt in Vaduz. Wenn es kommen sollte, werde man kooperieren.
Die Ermittler in Köln durchsuchen in Zumwinkels Haus zunächst sein Arbeitszimmer. Immer wieder bewegen sich dort die sorgfältig zugezogenen Vorhänge. Dahinter kann man Schatten erkennen. Als Nächstes geht im Raum nebenan das Licht an. Die Steuerfahnder und Staatsanwälte arbeiten sich voran.
Kurz nach acht Uhr fährt Zumwinkels Dienstwagen vor: ein schwarzer Mercedes. Unverrichteter Dinge macht sich der Fahrer nach ein paar Minuten wieder auf den Weg. Hat der Post-Chef wirklich geglaubt, an diesem Tag wie gewohnt seinen Dienst in Bonn antreten zu können? Oder ist er einfach nicht dazu gekommen, seinem Fahrer Bescheid zu geben, dass er ihn heute nicht abholen muss?
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