Für Rewe und andere Konzerne bleiben aber auch nach dem erwarteten Fall der deutschen Sondergesetze erhebliche Hürden. Die weiterhin geltende Betriebsordnung schreibt allen Apotheken eine Mindestverkaufsfläche von 120 Quadratmetern, ein zusätzliches Labor und einen Ruheraum für den Notfalldienst vor. Der Verkauf von Arzneimitteln muss getrennt vom übrigen Supermarktgeschehen erfolgen. Attraktive Shop-in-Shop-Lösungen wie in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien bleiben damit unmöglich. Apotheken könnten auch bei Rewe nur im Vorkassenraum großer Verbrauchermärkte entstehen.
Dennoch machen immer mehr Einzelhändler in Sachen Arzneimittelverkauf mobil. „Seit wenigen Wochen gibt es buchstäblich einen Run“, berichtet Zur-Rose-Deutschlandchefin Ursula Lindl. Inzwischen sind die Schweizer nach eigenen Angaben gleich mit mehreren großen Handelsunternehmen im Gespräch.
Zu den Arzneimittelhändlern in Deutschland könnte schon bald beispielsweise auch die Kaufland-Gruppe zählen. In ihren osteuropäischen SB-Warenhäusern beherbergt die Schwesterfirma des Discounters Lidl bereits jetzt 186 Apotheken und führt sie unter dem einheitlichen Markennamen „Dr. Max“. Auch Edeka wird von Branchenkennern als möglicher Anbieter von Medikamenten gehandelt: „Die müssen allein schon dagegenhalten“, glaubt Arnt Tobias Brodtkorb von der Pharmaberatung Sempora, „weil der Medikamentenverkauf für Supermarktkunden eine hohe Zugkraft besitzt.“
Vor allem die relativ hohen Gewinnmargen im Apothekengeschäft locken die Handelskonzerne. Während Lebensmittelhändlern nur zwei bis drei Prozent vom Umsatz bleiben, schaffen Apotheken nach Beobachtung des McKinsey-Experten Steffen Hehner Margen deutlich über zehn Prozent. Einziger Wermutstropfen: Der Kauf bereits etablierter Apotheken für den Aufbau einer eigenen Kette erfordert erhebliches Kapital. „Kaum eine interessante Apotheke ist unter 750 000 Euro zu haben“, sagt Hehner.
Aus für den Artenschutz
Liberalisierung: Deutschlands Apotheken droht ein Ende der Idylle, wenn Brüssel schon 2008 das Fremdbesitz- und Mehrbesitzverbot kippt.
Angriff: Der Pharmagroßhändler Celesio kaufte schon 2007 den Versandhändler DocMorris und baut seither mit ihm eine Apothekenkette auf. DocMorris ist in Deutschland die einzige wirkliche Apothekenmarke.
Verteidigung: Immer mehr Apotheken verbünden sich unter bisher wenig bekannten Markennamen wie Linda oder Vivesco zu Kooperationen.

