Für Hero Ergo Life gilt ein ambitioniertes Ziel: In acht bis zehn Jahren will die Gesellschaft unter Indiens fünf größten privaten Lebensversicherer kommen. Auf dieses Segment entfallen laut HSBC
mehr als 80 Prozent aller Prämieneinnahmen, und es wächst am schnellsten; in den letzten beiden Jahren hat sich der Markt auf 40 Mrd. Dollar mehr als verdoppelt.
"Viele Firmen sehen den indischen Markt inzwischen als aussichtsreicher an als den chinesischen", meint HSBC
-Analyst John Russel. Ein hohes Wirtschaftswachstum, eine riesige, junge Bevölkerung, stetige Deregulierung und die Erfolge der 16 gleich nach der Öffnung 2001 gestarteten Rivalen locken eine zweite Welle globaler Versicherer ins Land. 29 sind bereits aktiv, davon 17 im Lebens-Geschäft. Zu den jüngsten Neuankömmlingen zählen die britische HSBC
Insurance, Aegon aus Holland, Dai-ichi Mutual Life aus Japan und Société Générale Life.
Die Privaten haben den trägen staatlichen Ex-Monopolisten bereits mehr als ein Drittel des Neugeschäfts abgerungen. Russel sagt den Eintritt von mindestens zehn weiteren Versicherern voraus. Doch Neulinge müssten viel höhere Einstiegskosten schultern als Frühstarter.
Die sorgsame Auswahl der richtigen Partner hatte für von Bomhard trotzdem Vorrang. Für Hero sprachen Kapitalstärke, ein gutes Marken-Image, die langfristige Orientierung der Eigner-Familie und ein engmaschiges Netzwerk in ländlichen Gegenden. "Dort wird künftig ein Großteil des Marktwachstums herkommen", glaubt Mark Schamp, der das Lebens-Joint Venture aufbaut. Als größter Motorradhersteller der Nation ist Hero im ländlichen Indien tief verwurzelt. Zur Diversifizierung haben sich die Inder mit zwei Dax-Größen verbündet: Vor zwei Wochen schloss Hero ein Joint Venture mit dem Daimler-Konzern, der 1,1 Mrd. Dollar in die LKW-Herstellung investiert.
Asien ist aber nicht der einzige interessante Markt. Für Brasilien hat das Unternehmen jetzt eine Rückversicherungs-Lizenz erhalten und kann dort nun wie ein inländisches Unternehmen Geschäfte machen. Die Nummer zwei unter den weltgrößten Rückversicherern kann nach der Öffnung des brasilianischen Marktes damit direkt mit den Erstversicherern verhandeln und muss nicht mehr den Umweg über den bisherigen staatlichen Rückversicherungs-Monopolisten IRB gehen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Brasilien ist mit Prämieneinnahmen von 27 Milliarden Dollar (17,4 Milliarden Euro) der größte Versicherungsmarkt Lateinamerikas. Die Rückversicherungsprämien summierten sich nach Angaben der Münchener Rück 2006 auf 1,4 Milliarden Dollar (900 Millionen Euro). Zuletzt hatte die Münchener Rück in dem Land eine mittlere zweistellige Millionensumme eingenommen. Sie ist seit 1997 mit einem Büro in Sao Paulo vertreten.

