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07.05.2008 

Fredriksens smarte PR-Leute hatten schon vor dem Einlass versucht, für sich Stimmung zu machen. Sie verteilten unter dem Briefkopf von Fredriksens zyprischer Firma Monteray Enterprises einen Brief an den "sehr geehrten Mitaktionär". Wie schon in einem offenen Brief vor einigen Wochen ließ der Großaktionär kein gutes Haar an der bisherigen Unternehmenspolitik. Und wiederholte die Aufforderung, die Krumnow-Abwahl zu bestätigen. Den Journalisten war Fredriksen sogar für ein morgendliches Gespräch vor der HV angekündigt worden. Doch er kam nicht, sei krank geworden. So war nur der Vertraute des Norwegers, Olav Troim, in der Eilenriede-Halle anwesend.

In diesem Umfeld trat Vorstandschef Michael Frenzel als erster ans Rednerpult, kühl, äußerlich beherrscht wie immer. Nur ganz verhalten das Echo der letzten Wochen, der Widerhall des Machtkampfes. "Noch nie" sei eine Hauptversammlung der Tui so sehr im öffentlichen Blick gewesen. Nicht etwa wegen ihrer Ergebnisse, sondern wegen der "angeblich gegenläufigen Position unserer beiden großen Aktionärsgruppen", sagt Frenzel. Und ergänzte: "Ich meine zu Unrecht". "Die derzeit geführte, personalisierte Diskussion ist aus meiner Sicht nicht im Interesse des Unternehmens, sie bindet derzeit einen Teil unserer Kräfte", ergänzt der Vorstandschef.

Die ersten beiden Diskussionsredner geben Frenzel voll und ganz Recht. Die Hauptversammlungsroutiniers Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapiersparer, und Hans Martius-Georg von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger danken dem Tui-Chef für die Versachlichung der Diskussion und fordern, "endlich von den Streitereien der Aktionsgruppen wegzukommen".

Ernst wird es für Frenzel erst, als als dritter Redner Troim ans Rednerpult tritt. "Wir sind keine Trouble-Maker, wir sind in guter Absicht gekommen", betont er und entschuldigt seinen Chef Fredriksen, der wegen "eines kleineren medizinischen Eingriffs" nicht antreten könne. Schonungslos deckt er den Zick-Zick-Kurs des Tui-Managements in den letzten Jahren auf: Vor vier Monaten habe die Tui noch die Touristik aufgeben wollen, um sich auf das Containergeschäft zu konzentrieren. Vor zwei Monaten sei dann wieder eine Zwei-Säulen-Theorie mit Touristik und Schifffahrt propagiert worden. Und nun der Verkauf von Hapag-Lloyd: "Wir reden auch darüber, wie dieses Unternehmen geführt wird", sagt Troim. "Ein Rücktritt von Frenzel wäre kein großer Verlust", hatte er am Rande des Aktionärstreffens unverblümt von sich gegeben.

Massiv kritisiert er später den Rückzug des Aufsichtsrats Franz Vranitzky, den Fredriksen auf der HV aus dem Gremium wählen wollte. Dass stattdessen der Partner des russischen Großaktionärs Alexej Mordaschow, Wladimir Jakuschew, eingezogen sei, zeige, dass der Aufsichtsrat kein Kontrollgremium, sondern "handverlesen" vom Vorstand sei. Denn Mordaschow, der mit Tui den russischen Reisemarkt erschließen will, habe massive Eigeninteressen, und folglich gebe es Interessenkonflikte. Troim: "Tut mir leid, dass ich viel Zeit beanspruche, aber es muss mal gesagt werden."

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