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 HANDELSBLATT, Dienstag, 12. Februar 2008, 17:46 Uhr
„Die Schere geht weiter auseinander“

RTL 2 will Teil von Rundfunkgebühr


RTL-2-Chef Jochen Starke fordert im Handelsblatt-Interview, dass ARD und ZDF nach britischem Vorbild einen Teil des Kuchens an die private Konkurrenz abgeben muss. Zudem erläutert der Senderboss, warum er die geplante Gebührenerhöhung und das Werbeduopol von Pro Sieben Sat1 und RTL fürchtet.


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RTL-2-Chef Jochen Starke. Foto: PR
Bild vergrößernRTL-2-Chef Jochen Starke. Foto: PR

Herr Starke, der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger sprach vor kurzem vom „Scheiß-Privatfernsehen“ und nannte RTL 2 als Musterbeispiel. Hat Sie das getroffen?

Das ist uns natürlich sauer aufgestoßen. Herr Oettingers Kritik war unbegründet und unsachlich. Das weiß Herr Oettinger auch. Deshalb hat er das mittlerweile auch öffentlich neu eingeordnet.

Ist die Politik vom Privatfernsehen wie RTL 2 enttäuscht?

Politiker schaffen Rahmenbedingungen wie vor über 20 Jahren bei der Einführung des Privatfernsehens. Doch wir verstehen nicht, warum Landespolitiker in Wahlkämpfen oder bei Neujahrsansprachen auf uns einprügeln. Das macht keinen Sinn.

RTL 2 wird 15 Jahre alt. Da gab es nicht immer nur Glanzpunkte im Programm?

Wir hatten unsere Höhen und Tiefen. Aber wir sind vor allen Dingen auch Innovator im Programmbereich. Ich erinnere daran, dass wir die ersten waren, die Reality-TV, Dokutainment, Bollywood oder japanische Animationsfilme nach Deutschland gebracht haben.

Pro Sieben
Chart: Pro Sieben
Analystenmeinung

Was wünschen Sie sich von der Medienpolitik?

Wir wünschen uns, dass die Politik endlich das öffentlich-rechtliche Fernsehen genauer unter die Lupe nimmt.

Was meinen Sie damit?

Die Expansion von ARD und ZDF im Internet und im digitalen Bereich macht uns Sorgen. Und die Politik? Sie bleibt weitgehend tatenlos. Der Markt hat sich stark gewandelt. Früher gab es bei der Werbung einen Nachfragemarkt. Das ist längst vorbei. Heute gibt es ein Überangebot von Sendern. Das hat Folgen. Um den Werbekuchen wird stärker denn je gekämpft.

Wie ist die Entwicklung im TV-Werbemarkt aus Ihrer Sicht?

Die Netto-Werbeumsätze der privaten Fernsehveranstalter sind seit dem Jahr 2000 gesunken. Wir haben bisher nie mehr dieses Niveau erreicht, auch im Jahr 2007 nicht. Hingegen sind die GEZ-Gebühren kontinuierlich gestiegen. Die Rundfunkgebühren betrugen vor acht Jahren noch 5,9 Mrd. Euro. Im Jahr 2006 waren es schon 7,3 Mrd. Euro. Dagegen haben es die Privaten schwerer. Der Gesamt-Nettowerbemarkt betrug 2007 nur noch 4,2 Mrd. Euro.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat ein werbefreies öffentlich-rechtliches Fernsehen beschlossen. Ist das ein Modell für Deutschland?

Wir würden eine ARD und ein ZDF ohne Werbung begrüßen. Doch ehrlich gesagt, fände ich das britische Modell noch viel besser. Da erhalten Privatsender Geld aus der Rundfunkgebühr. Die Lösung in Großbritannien finde ich gerecht. Das ist ein Modell für Deutschland.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Die Schere zwischen Öffentlichen-Rechtlichen und Privaten geht immer weiter auf.“


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