Der russische Konzern Sistema
hat Interesse am krisengebeutelten Chiphersteller Infineon
. "Für uns ist Infineon
ein sehr interessantes Ziel - vor allem der Bereich Forschung und Entwicklung", sagte Sistema
-Chef Alexander Gontscharuk dem Handelsblatt. Hier seien die Münchener hervorragend.
Infineon-Fahnen wehen vor einer Messehalle in München. Der Chiphersteller könnte zum Übernahmekandidaten werden. Foto: ap
MOSKAU/MÜNCHEN. Infineon
steht vor einer strategischen Neuausrichtung durch die Trennung von der defizitären Speicherchip-Sparte, die in der Tochter Qimonda gebündelt ist. Dadurch könnte der Konzern für Partner attraktiver werden. Spekuliert wird auch über eine Allianz mit NXP, der Ex-Halbleiter-Sparte von Philips. Angesichts jahrelanger Verluste gibt es bei Infineon
Differenzen über den Kurs. Dabei verliert Vorstandschef Wolfgang Ziebart an Rückhalt im Aufsichtsrat.
Schon seit längerem wird spekuliert, dass Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley auf der Suche nach einem Nachfolger ist. Als die Gerüchte aufkamen, stand laut Branchenkreisen eine Aufsichtsrats-Mehrheit hinter Ziebart. Inzwischen bröckelt die Unterstützung. "Ein Neuanfang würde nicht schaden, schlimmer kann es nicht werden", sagte ein Aufsichtsrat gestern dem Handelsblatt. Seit Jahren gebe es fast nur schlechte Nachrichten. "Da hat der Vorstandsvorsitzende sicher seinen Anteil daran." Ziebart ist im Unternehmen durchaus beliebt und gilt als akribischer Arbeiter. Allerdings wurde zuletzt auch im Aufsichtsrat kritisiert, dass die Sanierung der verlustreichen Mobilfunksparte langsamer vorankommt als angekündigt.
In dieser schwierigen Lage könnte Infineon
zum Übernahmekandidaten werden. Allerdings hält Gontscharuk eine Komplettübernahme durch Sistema
derzeit für sehr unwahrscheinlich. Es gebe politische Hindernisse, der Konzern sei "ein Flaggschiff der deutschen Industrie". Zudem sei der Zeitpunkt für eine Komplettübernahme wegen der Kostennachteile einer Produktion in Westeuropa und des Konkurrenzdrucks aus Asien nicht gut.
Sistema
ist heute der größte Mischkonzern in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Der politisch gut verdrahtete Mehrheitsaktionär Wladimir Jewtuschenko zählt zu den reichsten Russen. Anders als die meisten russischen Großkonzerne verdient Sistema
sein Geld - im vergangenen Jahr bei 13 Mrd. Dollar Umsatz ein Reingewinn von 1,5 Mrd. Dollar - nicht mit Rohstoffen, sondern unter anderem mit Telekommunikation und Hightech. Bekannt wurde Sistema
durch den Versuch, bei der Deutschen Telekom einzusteigen, was aber am politischen Widerstand scheiterte. Laut Moskauer Analysten verfügt der Konzern weiter über die finanziellen Mittel für eine größere Auslands-Übernahme. Spekulationen zufolge soll es Kontakte mit dem Infineon
-Aufsichtsrat gegeben haben. Gontscharuk weist konkrete Schritte von sich: "Wir sind nicht aktiv, wir beobachten, wie sich die Situation bei Infineon
entwickelt."
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Sorgenkind heißt Qimonda

