Nicht nur die Konkurrenz betrachtet den Kauf von Doubleclick mit Sorge. Kaum hatte Google die Übernahme der Web-Anzeigenfirma bekannt gegeben, meldeten sich unter den Branchenkennern die Skeptiker. Ist ein Unternehmen mit zuletzt 300 Mill. Dollar Umsatz und 50 Mill. Dollar Gewinn mehr als 3 Mrd. Dollar wert? Google-Chef Eric Schmidt hat diese Frage in einem Nebensatz beantwortet: „Uns ist klar geworden, dass der Markt für Display-Anzeigen viel größer ist als wir gedacht hatten.“ Die Suchmaschine, die längst zu einem riesigen Werbekonzern mutiert ist, hat eine Chance erkannt und reagiert. Dass Google dabei noch den Rivalen Microsoft ausstechen konnte, machte das Geschäft umso attraktiver.
Der Kauf von Doubleclick ist die zweite Großübernahme von Google innerhalb von sechs Monaten. Im Oktober vergangenen Jahres hatte die Internetfirma den Online-Videodienst Youtube für 1,65 Mrd. Dollar erworben. Auch damals sorgte der hohe Kaufpreis für ein mit roten Zahlen arbeitendes Startup-Unternehmen für Kopfschütteln in der Fachwelt. Zumal sich Google auch noch eine Reihe von Urheberrechtsklagen einhandelte.
Die Führung übernehmen
Damals wie heute geht es dem Werbekonzern jedoch darum, Spitzenpositionen auf den vermeintlichen Schlüsselmärkten des Internets zu besetzen. Videos sind das am schnellsten wachsende Medium im Internet. Display-Anzeigen im Wort-, Bild- und Videoformat gehört vermutlich die Zukunft auf dem Online-Werbemarkt.
Doubleclick platziert die Display-Anzeigen für seine Kunden auf Web-Seiten Dabei arbeitet die Firma sehr eng mit Web-Verlegern, werbenden Unternehmen und Werbeagenturen zusammen. Einst war Doubleclick ein Star der Dotcom-Ära, stürzte jedoch nach dem Platzen der Internetblase ab. Die Gesellschaft hat heute mehr als 1 500 Kunden, darunter große Medienkonzerne wie Time Warner und News Corp. Das Unternehmen, das nicht mehr an der Börse notiert ist, machte Schätzungen zufolge zuletzt einen Jahresumsatz von 300 Mill. Dollar und erwirtschaftete einen Gewinn von 50 Mill. Dollar.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Teurer, aber logischer Schritt.

