Der Kauf passt aber in die Auslandsstrategie der Telekom. Konzernchef René Obermann will ebenso wie sein Vorgänger Kai-Uwe Ricke international nur in den Ländern zukaufen, wo die Telekom bereits vertreten ist, oder in benachbarten Regionen. Hintergrund ist die Überlegung, dass durch solche Akquisitionen höhere Synergien zu erzielen sind als in ganz neuen Ländern. Im Ausland will Obermann nur Mobilfunker übernehmen. So hat die Telekom im vergangenen Jahr in Österreich Telering gekauft und vor wenigen Wochen den regionalen US-Mobilfunker Suncom. Randbereiche oder verlustbringende Investments wie den spanischen Breitbandanbieter Yacom und den französischen Club Internet hat Obermann verkauft. Der Telekom-Chef hat zudem angekündigt, dass er eine weitere Konsolidierung im europäischen Mobilfunkmarkt für nötig hält, weil es hier zu viele Anbieter gebe.
Ist die Telekom gut beraten, oft den Konsolidierer zu spielen? Schließlich profitieren die Rivalen auch von einer Reduzierung der Anbieter, müssen aber nicht die Last eines Zukaufs schultern. Ob sich eine Akquisition lohnt, hängt vom Preis ab. Der Preis für Orange entspricht etwa dem Elffachen des Ebitda. Das ist verglichen mit anderen Deals der Branche recht hoch – die Multiples liegen etwa bei neun. Die hohen geplanten Synergien rechtfertigen die Summe aber. Beim Kauf von Suncom sieht es ähnlich aus.
Der Mobilfunk ist stark von Skaleneffekten getrieben. In der Regel erzielen die Nummer eins und die Nummer zwei eines Marktes deshalb deutlich höhere Renditen als die kleinen Anbieter. Arndt Rautenberg von der Managementberatung OC&C hat berechnet, dass im europäischen Mobilfunk die durchschnittliche Ebitda-Marge des drittstärksten Anbieters weniger als halb so groß ist wie die des Marktführers. Die Nummer vier eines Marktes kann in zwei Drittel der Fälle noch nicht einmal mehr die eigenen Kapitalkosten einspielen – was in einem investitionsintensiven Geschäft wie dem Mobilfunk gefährlich ist. „Hauptgrund dafür sind Fixkostendegressionen und Skaleneffekte der Kosten für Netzbetrieb, Marketing und Vertrieb, die kleinere Anbieter entsprechend auf sehr viel kleinere Kundenzahlen umlegen müssen“, erklärt Rautenberg. Die Telekom rückt mit dem Kauf von Orange in den Niederlanden von Platz drei auf Platz zwei vor. Analysten erwarten, dass Obermann die Ebitda-Marge dort von aktuell 24 Prozent auf bis zu 30 Prozent steigern kann. Verlierer ist die britische Vodafone, die nun als kleinster Anbieter auf Platz drei im Markt rutscht.
Was kann die Telekom im Rahmen ihrer Strategie noch kaufen?
Obermann hat wiederholt betont, dass der britische Markt mit fünf etwa gleich großen Wettbewerbern konsolidiert werden müsse. T-Mobile ist dort bereits mit einer Tochter vertreten. Auch in Österreich, wo es vier Anbieter gibt, könnte die Telekom noch einmal zuschlagen und die Marktführerschaft anstreben. Ansonsten ist T-Mobile vor allem in Osteuropa stark. In den meisten Ländern dort ist sie aber bereits so groß, dass die Kartellbehörden eine Akquisition nicht genehmigen würden. Da könnte der Konzern nur noch in angrenzenden Nationen zukaufen. Auch in den USA hätte T-Mobile als kleinster Anbieter noch Spielraum – allerdings fehlen dort geeignete Übernahmeziele.
In nicht allzu ferner Zeit wird Obermann also doch neue Märkte in Angriff nehmen müssen, um weiter zu wachsen.

