Diese Entwicklung muss zu Lasten des einstigen Monopolisten gehen. So lässt die Telekom
vor allem in der jüngsten Zeit ordentlich Federn: Über zwei Millionen Festnetzkunden wechselten im vergangenen Jahr zur Konkurrenz, in den kommenden Jahren dürften es nicht wesentlich weniger sein. Das ist regulatorisch gewollt, schließlich beherrscht der einstige Staatskonzern immer noch knapp 80 Prozent der Telefonanschlüsse. Doch die klassische Festnetztelefonie ist ohnehin ein Auslaufmodell. Die Zukunft gehört den DSL-Verbindungen. Und da sind die Wettbewerber gut unterwegs - auf die Telekom
entfielen im Herbst 2007 noch 48 Prozent der DSL-Anschlusse.
Während die Wettbewerber jubeln, leckt die Deutsche Telekom
ihre Wunden und fordert ein Ende der staatlichen Aufsicht. "Regulierung war ursprünglich einmal als ein befristetes Vorhaben vorgesehen", sagt ein Sprecher. "Trotz massiven Wettbewerbs und dramatischen Preisverfalls will die EU-Kommission aber mehr statt weniger Regulierung."
Infografik: Investitionen in Sachanlagen/Umsatzerlöse.
An der Misere der Telekom
ist aber nicht nur die Liberalisierung schuld. Dem Konzern fehlte nach Meinung von Beobachtern lange Zeit ein schlüssiges Konzept, um auf den Wettbewerb zu reagieren. So bietet das Bonner Unternehmen erst seit Herbst 2006 Komplettpakete aus Telefon, Internet und Fernsehen an, während die Wettbewerber wesentlich früher damit am Markt waren und ihr Kunden abluchsten.
Doch der Wandel hat auch der Telekom
gut getan: Der politische Einfluss ist gesunken, der Bund hält an dem einstigen Staatsunternehmen inzwischen nur mehr 32 Prozent. Über die Hälfte des Umsatzes erzielt der Konzern heute im Ausland. Der rosa Riese hat sich zudem extrem verschlankt und pro Jahr 10 000 Stellen abgebaut. Die Anzahl der Arbeitsplätze in der Branche ist dennoch nahezu konstant geblieben. Auch das ist angesichts des drastischen Preisverfalls und der starken technologischen Wandels ein Erfolg der Deregulierung.
Die Stunde null des Telekommarktes
Aufbruch
Der 1. Januar 1998 war die Stunde null des Telekommunikationsmarktes. Die Deutsche Telekom
unter der Führung ihres damaligen Vorstandschefs Ron Sommer verlor ihr jahrzehntealtes Monopol. Für wechselwillige Kunden war es damals aber gar nicht einfach, zu den neuen Telekom
-Wettbewerbern
zu wechseln. Bei Herausforderer wie Mobilcom ertönte im Anfangsjahr noch oft das "Besetzt"- Zeichen.
Zehn Jahre nach der Liberalisierung fordert die Deutsche Telekom
eine Wende. Der Konzern verlangt, die Liberalisierung zurückzuschrauben, um gefährdete Arbeitsplätze zu sichern. Die Wettbewerber haben dafür Verständnis. Denn sie allein haben in den letzten zehn Jahren 50 000 neue Stellen geschaffen.

