Die unabhängige Finanzkommission KEF hat nun eine Erhöhung der GEZ-Gebühr um 95 Cent auf knapp 18 Euro empfohlen. Wird sich dadurch das Ungleichgewicht zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk noch verstärken?
Die Schere zwischen Öffentlichen-Rechtlichen und Privaten geht immer weiter auf. Angesichts der schwierigen Konjunktur wird sich das Ungleichgewicht verstärken. Das bringt die privaten Sender im Hinblick auf Programmeinkauf und Produktion weiter in die Defensive.
Die Fernsehwerbung ist derzeit durch einen spektakulären Betrugsprozess, durch Ermittlungen gegen die Geschäftsführer der Werbetöchter von RTL und Pro Sieben Sat 1 und durch eine Kartellamtsstrafe in Verruf geraten. Fürchten Sie einen dauerhaften Schaden bei Ihren Kunden?
Man muss differenzieren zwischen den Ermittlungen gegen Personen einer einzelnen Mediaagentur wegen Fehlverhaltens, und dem Kartellamtsverfahren gegen die beiden Werbezeitenvermarkter IP und Seven One Media. Darüber hinaus gibt es weitere Ermittlungen gegen Einzelpersonen, deren Ausgang wir abwarten müssen.
... und was ist mit dem Schaden?
Der TV-Werbemarkt befindet sich zwar in einer Übergangsphase. Bei uns buchen die Kunden jedoch derzeit sogar verstärkt ein.
Herr Starke, die Mehrheit ihrer Gesellschafter will RTL und Pro Sieben Sat 1 wegen eines illegalen Werberabattsystems auf mehr als 60 Millionen Euro Schadenersatz verklagen. Halten Sie das für eine gute Idee?
Hierbei geht es nicht um die Frage, ob ich das für eine gute Idee halte. Das Kartellamt hat festgestellt, dass die Rabattsysteme der beiden großen Vermarkter kartellrechtswidrig waren. Laut dem Amt seien die kleineren Vermarkter vom Markt verdrängt worden. Insofern bin ich natürlich als Geschäftsführer dazu verpflichtet zu prüfen, ob die Gesellschaft geschädigt wurde.
RTL und Pro Sieben Sat 1 haben nach Meinung des Kartellamts ihr Rabattsystem gnadenlos auf Kosten kleiner Sender im Markt genutzt. Sind Sie sicher, dass Sie die beiden großen Fernsehkonzerne künftig nicht wieder an die Wand drücken?
Die Rabattsysteme der beiden großen Werbezeitenvermarkter wurden erst zu Beginn des Jahres umgestellt. Daher wäre eine Prognose über deren Wirkung auf die kleineren Vermarkter verfrüht. Das Kartellamt wird aber mit Sicherheit zukünftig ein Auge darauf haben.
RTL 2 ist bei der Werbevermarktung vor vier Jahren eigene Wege gegangen. Sie vermarkten ihren Sender auf eigene Faust. War das eine richtige Entscheidung?
Die Eigenvermarktung ist sicher nicht der einfachste Weg. Aber wir haben uns sehr gut entwickelt. Mittlerweile sind wir zur unumstrittenen dritten Kraft im Markt aufgestiegen. Unser Werbetochter El Cartel Media ist derzeit gut unterwegs.
Was meinen Sie mit gut unterwegs?
Wir sind zum Beispiel mit anderen Sendern im Gespräch, um unsere Position als dritte Kraft im Markt auszubauen.
Wen wird denn RTL 2 künftig noch vermarkten?
Die Gespräche laufen noch. Ich bitte um Verständnis, dass ich daher keine Namen nennen kann.
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