Entgegen den Hoffnungen einiger Klägeranwälte wollte das Gericht am ersten Prozesstag noch keine Entscheidung in dem Verfahren treffen. Der erste Prozesstag reiche nicht aus, um die zehn als Musterklagen ausgewählten Fälle zu entscheiden, sagte der Richter. Insgesamt reichten die Telekom-Aktionäre als Einzelpersonen oder Klagegemeinschaften 2200 Klageschriften ein, die nach einer Entscheidung in dem nun gestarteten Pilotverfahren abgearbeitet werden sollen.
Als nächsten Verhandlungstermin wurde der 21. Juni 2005 angesetzt. Einen früheren Verhandlungstermin hält das Gericht aus „Praktikabilitätsgründen“ nicht für möglich, da unter anderem noch Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Bonn ausgewertet müssten. Auch führten die Anwälte der beklagten Telekom und der rund 17 000 klagenden Kleinaktionäre noch Schriftwechsel. Möglicherweise ergäben sich zudem durch eine geplante Gesetzesänderung noch Erleichterungen bei der Führung des in der deutschen Rechtsgeschichte wegen der Klägerzahl bisher einmaligen Prozesses, erläuterte der Gerichtsvorsitzende. Die Anwälte der Kläger kritisierten den Zeitplan des Gerichts. Rechtsanwalt Ralf Plück sagte, das Gericht wolle das Verfahren „auf die lange Bank schieben“. Für die Kleinaktionäre sei ein schnellerer Verhandlungsablauf wichtig, da sie zum Teil bereits vor über drei Jahren ihre Klagen eingereicht hätten.
Die Telekom geht in dem gegen sie laufenden Zivilprozess davon aus, dass sich am Ende alle Anschuldigungen als haltlos erweisen werden. Ihr Prozessbevollmächtigter Bernd-Wilhelm Schmitz sagte nach dem Ende des ersten Verhandlungstages am Dienstag vor Journalisten im Landgericht Frankfurt, er sei fest davon überzeugt, dass sich im weiteren Verlauf des Verfahrens die Haltlosigkeit sämtlicher Vorwürfe bestätigen werde. Die ersten Erklärungen des Richters zu einer ganzen Reihe von Punkten deuteten bereits in diese Richtung. Dies gelte auch für die Frage der Bewertung des Immobilienvermögens der Telekom, fügte er hinzu.

