Im Korruptionsskandal von Siemens fordert der Konzern jetzt von mehreren früheren und noch aktiven Mitarbeitern jeweils eine Million Euro Schadenersatz. Damit soll einer Verjährung entgegengewirkt werden. Ein Unternehmenssprecher bestätigte am Montag, dass entsprechende Mahnbescheide verschickt wurden.
MÜNCHEN. Betroffen sind Manager aus der ehemaligen Kommunikationssparte Com, gegen die von der Staatsanwaltschaft München ermittelt wird. Siemens
hatte einige aktuelle und ehemalige Mitarbeiter aufgefordert, schriftlich auf eine Verjährung zu verzichten. Nicht alle seien dieser Aufforderung nachgekommen seien. Amtierende oder frühere Vorstände sind offenbar nicht betroffen. Ob der Konzern auch gegen sie vorgeht, muss der Aufsichtsrat entscheiden.
Den Beschäftigten wird vorgeworfen, sie hätten in der früheren Konzernsparte Com schwarze Kassen gebildet und ausländische Geschäftspartner oder Amtsträger bestochen, um Aufträge zu bekommen. Insgesamt sind bei Siemens
in den vergangenen Jahren 1,3 Mrd. Euro in dunklen Kanälen verschwunden und vermutlich größtenteils im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden. 449 Mill. Euro davon entfallen auf Com, mehr als 300 Mill. auf den Kraftwerksbereich und 88 Mill. auf die Bahntechnik.
Noch in diesem Monat will Siemens
nach eigenen Angaben Verhandlungen mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC aufnehmen, um zu einem "umfassenden und fairen Vergleich" zu kommen. Die US-Behörde fordert Aufklärung über die Schmiergeldzahlungen. Experten gehen davon aus, dass dem Konzern eine Milliardenstrafe der SEC droht.
Mit einem Amnestieprogramm will Siemens
die interne Aufklärung des Korruptionsskandals vorantreiben. Bislang haben sich nach Unternehmensangaben 66 Beschäftigte gemeldet und sich selbst oder andere belastet.

