UnternehmenIT + Medien
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Mittwoch, 24. Oktober 2007, 10:18 Uhr
Vereinbarung mit Wohnungsverband

Telekom greift Kabelkonzerne mit IP-TV an

Von Sandra Louven und H.-P. Siebenhaar

Die Deutsche Telekom hat eine größere Kooperation für die Verbreitung ihres Internetfernsehen geschlossen. Der Bonner Konzern gab eine Vereinbarung mit dem größten Verband der deutschen Wohnungswirtschaft, GdW, bekannt. Künftig sollen Immobilienbetreiber entscheiden können, ob sie den Kabelanbietern oder der Telekom den Zuschlag für die Multimedia-Aufrüstung der Immobilien erteilen wollen.


BERLIN / DÜSSELDORF. Für die Telekom ist das Geschäft mit dem Internetfernsehen IP-TV ein wichtiger Wachstumsmarkt, der die Umsatzeinbrüche bei der Festnetztelefonie ausgleichen soll. Die Telekom earbeitete mit der GdW Musterverträge, die als Basis für individuelle Abkommen mit den Wohnungsbaugesellschaften dienen sollen. Damit umgehen der Verband und die Telekom einen bislang schwelenden Streit um die Frage, wem die Telefonkabel in den Mietshäusern gehören. Die Telekom sieht das als ihre Infrastruktur an, während die Wohnungsgesellschaften sich als Eigentümer der Kabel betrachten. Dieser Streit hat bislang eine Kooperation der beiden Parteien verhindert.

„Wir bieten eine echte Alternative zum Angebot der Kabelnetzbetreiber“, sagte Philipp Humm, Vertriebschef der Telekom. Die rund 3 000 GdW-Mitgliedsunternehmen bewirtschaften nach eigenen Angaben 6,2 Millionen Mietwohnungen, das sind rund 30 Prozent des Bestands in Deutschland.

Die Kabelkonzerne fürchten den Angriff der Telekom mit ihrem Hoffnungsträger Internetfernsehen nach eigenen Angaben nicht. „Wir haben keine Sorge, dass uns die Telekom das Wasser abgräbt“, sagte am gestrigen Dienstag ein Sprecher von Kabel Deutschland (KDG).

Telekom
Chart: Telekom
Analystenmeinung
DT.TELEKOM AG NA
Chart: DT.TELEKOM AG NA
Analystenmeinung

Oft sind Kabelkosten im Rahmen von Gemeinschaftsverträgen Bestandteil des Mietvertrags. Dann müssen die Mieter die Kabelkosten weiter zahlen, selbst wenn sie sich für ein Paket der Telekom entscheiden sollten. Die Telekom will diesen Preisnachteil durch Provisionen und eine Umsatzbeteiligung an die Wohnungsbaugesellschaften mildern. Zur Höhe der Zahlungen wollte sie sich nicht äußern. Auch die Kabelkonzerne beteiligen die Wohnungsgesellschaften an ihren Umsätzen.

Sie sehen ihr Geschäftsmodell durch das Abkommen aber nicht in Gefahr. Die Kabelnetzbetreiber betonen, dass sie bereits seit Jahrzehnten Vereinbarungen mit der Wohnungswirtschaft haben. „Zudem sind wir beim schnellen Internet die Preistreiber nach unten, während die Telekom immer am oberen Preisende agiert“, behauptet der KDG-Sprecher.

Auch der Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber (ANGA) nimmt den Angriff der Telekom gelassen. „Wir glauben nicht, dass viele Wohnungsunternehmen von diesem Angebot Gebrauch machen werden“, sagte Peter Charissé, Hauptgeschäftsführer des ANGA. „Dem stehen meist auch laufende Verträge mit den Kabelnetzbetreibern entgegen.“ Die Verträge laufen in der Regel zwischen drei und fünf Jahren. Zudem handele es sich bei der Einigung um eine bloße Rahmenverständigung auf Verbandsebene. Wichtige kommerzielle Details müssten die einzelnen Wohnungsunternehmen noch selbst verhandeln, erklären die Kabelnetzbetreiber.

Für die Kabelkonzerne kommt die Offensive der Deutschen Telekom zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn sowohl der Branchenprimus KDG als auch der Kölner Konkurrent Unitymedia sind dringend auf den Erfolg ihres Triple Play-Angebots angewiesen. Beide Konzerne, die den Finanzinvestoren Providence beziehungsweise BC Partners und Apollo gehören, schreiben noch rote Zahlen.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Infineon-Chef Ziebart steht vor dem Rücktritt(16.05. 13:42)
Artikel Großaktionäre sagen Yahoo-Management Kampf an(16.05. 07:12)
Artikel Siemens-Affäre holt Klaus Kleinfeld ein(16.05. 07:11)
Artikel „Die Branche bleibt dynamisch“(16.05. 13:15)
Artikel Verkehrte Welt auf der Telekom-HV(15.05. 14:28)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

COMPACT: DEUTSCHE TELEKOM
HANDELSBLATT COMPACT:
DEUTSCHE TELEKOM
Artikel

Verkehrte Welt auf der Telekom-HV

Artikel

Dobermann ohne Zähne

Umfrage

Umfrage: Wie beurteilen Sie die Arbeit von Telekom-Chef Obermann?

Artikel

Telekom zahlt Milliarden für Griechenland-Einstieg

Exklusivmeldung

Blackstone stützt Obermann

Artikel

KfW will Telekom-Aktien loswerden

Artikel

Deutsche Telekom will im Ausland zukaufen

Artikel

Missbrauchsverfahren gegen Telekom eingestellt

Artikel

Festnetzgeschäft belastet Telekom

Artikel

Telekom-Anlegern missfällt mögliches Interesse an Sprint Nextel

Telekom-Prozess
Artikel

Mut zur Erinnerungslücke

Artikel

Analyse: Sammelleid

Artikel

Erhebliche Unsicherheiten

Artikel

„Das hier ist absurdes Theater“

Artikel

Mein Name ist Siegfried, ich weiß von nichts

Artikel

Zu tief gehängt

Artikel

Drei Manager sind einer Meinung

Artikel

„Ich bin kein wandelnder Kalender“

Artikel

„Ich halte diese Frage für eine Frechheit“

Bildergalerie

Sonnenkönig im Zeugenstand

Video

Sommer weist Vorwürfe der Kleinanleger zurück

Artikel

Dämpfer für die T-Aktionäre

Artikel

Ein zögerlicher Richter und ratlose Anwälte

Video

Mammutprozess

Bildergalerie

Bild für Bild: T-Aktie vor Gericht

Podcast

„Die Argumentation der Telekom ist falsch“

Artikel

Stichwort: Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz

Tabellen und Infografiken

Infografik: Die Kursentwicklung der T-Aktie von 1997 bis 2008

Artikel

Tage der Abrechnung

Artikel

Aktionärsschützer sehen Telekom-Prozess skeptisch

Artikel

Anwälte stellen T-Aktie als „New Economy“-Papier dar

Artikel

„Ein Gutachten für jeden wäre Wahnsinn“

Artikel

"Spiel mit gezinkten Karten“

Artikel

Telekom-Prozess gewinnt an Fahrt

Artikel

Telekom-Prozess wird zum Präzedenzfall

Artikel

Telekom-Prozess wird sich noch Jahre hinziehen

Artikel

T-Aktionäre machen sich weiter Hoffnung

Artikel

Telekom-Manager müssen Strafe zahlen

Artikel

Gericht: Telekom hat Fehler gemacht

Artikel

Rückblick auf 2003: Ermittlungen gegen Telekom teilweise eingestellt

Telekom-Management
Artikel

Neuer Job für alten Telekom-Chef

Artikel

Zweiter Versuch

Artikel

Sattelberger wird neuer Telekom-Personalchef

Artikel

Portrait: Die „Neuen“ im Telekom-Vorstand

Artikel

Obermann – „Kapitalist aus dem Bilderbuch“

T-Com
Artikel

Wechsel der Telefongesellschaft dürfte billiger werden

Blog

Telekom-Chef Obermann bekämpft Kannibalismus

T-Mobile
Artikel

Tarife von T-Mobile und Vodafone im Visier

Artikel

Ericsson übernimmt Wartung des T-Mobile-Netzes

Artikel

EU gestattet Übernahme von Orange NL durch T-Mobile

Artikel

T-Mobile hinkt hinterher

Artikel

„Wir sind in den USA kein Billigheimer“

T-Systems
Artikel

Milliardenauftrag für T-Systems

Artikel

T-Systems will zehntausende Stellen abbauen

Artikel

Obermann findet Partner für T-Systems


Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Geschäftsführer-Quiz

Bei Fehlern drohen Geschäftsführern Haftungsfolgen. Testen Sie Ihr Wissen.
Rentenlücke

Altersvorsorge: Was interaktive Tools leisten, und was sie nicht können.
Euro-Fighter

Wen Jogi Löw mit zur Fußball-Euro 2008 nimmt - und wer es nicht geschafft hat.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick