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 HANDELSBLATT, Donnerstag, 3. Januar 2008, 12:40 Uhr
Sechs Fragen an: Jan Geldmacher

„In Deutschland haben wir noch Nachholbedarf“


„Der Wettbewerb ist durch die Liberalisierung vor zehn Jahren in Gang gekommen. Das ist durchaus eine Erfolgsgeschichte.“ Jan Geldmacher, Deutschlandchef von British Telecom, äußert sich im Interview mit dem Handelsblatt über die Öffnung des Telekommunikationsmarktes sowie die Stärken und Schwächen des liberalisierten Marktes in Deutschland.


Handelsblatt:

Ist die Öffnung des Telekommunikationsmarktes in Deutschland eine Erfolgsgeschichte?

Jan Geldmacher: Der Wettbewerb ist durch die Liberalisierung vor zehn Jahren in Gang gekommen. Das ist durchaus eine Erfolgsgeschichte. Denn es sind eine Fülle von neuen Marktteilnehmern entstanden, die wie wir, die British Telecom, in Deutschland profitabel arbeiten und weiter wachsen. Das ist ein Beleg, dass die Regulierungspolitik prinzipiell die Richtige war. In der ersten Phase ging es darum, die Preise in der Festnetztelefonie durch mehr Wettbewerb zu senken. Wir erinnern uns noch an die Listen der privaten Telefondienste an unseren Kühlschränken.

Wie sah denn die zweite Phase der Liberalisierung aus?

In der zweiten Phase nach 2002 ging es weniger um Produkte, sondern um Märkte. Heute gibt es in allen Märkten einen funktionierenden Wettbewerb. Die dritte Phase wird durch das Entstehen der „Next Generation Networks“ bestimmt sein, bei denen sich der Wettbewerb stärker auf der Ebene der Services abspielen wird. Hier wird es entscheidend sein, frühzeitig die Weichen zu stellen, damit alle beteiligten Planungssicherheit haben.

Telekom
Chart: Telekom
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BT

Die Deutsche Telekom will nun eine Wende der Regulierungspolitik. Sie fordert, der Sicherung von Arbeitsplätzen ein größeres Gewicht einzuräumen.

Ich halte von dieser Idee gar nichts. Wenn es um das Thema Arbeitsplätze geht, ist der funktionierende Wettbewerb der beste Garant. Der Markt kann aber nur funktionieren, wenn sich der Staat raushält. Doch solange der Bund an der Deutschen Telekom beteiligt ist, haben wir weiter eine problematische Situation.

Was bedeutet das für die Regulierungsbehörde?

Die Regulierungsbehörde ist in der Zwickmühle. Sie muss abwägen zwischen den Interessen der Marktteilnehmer und des Staates, der Teilhaber an der Telekom ist. Wir werden daher ein scharfes Auge auf die weitere Regulierungspolitik werfen.

Liegt die Macht über die Märkte im Vergleich zu früher immer stärker bei der EU-Kommission?

Es ist ganz entscheidend für die Entwicklung des Marktes, dass wir keine nationalstaatliche Form der Regulierung finden, sondern eine europäische. Ich halte es für sehr natürlich, dass Brüssel als europäische Stimme derzeit so ein großes Gewicht hat.

Was sind die Stärken, und was sind die Schwächen des liberalisierten Marktes in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern in der Europäischen Union?

Es ist sehr wichtig, dass am Markt rein private Unternehmen teilnehmen. Beispielsweise in Großbritannien hat die Liberalisierung zur Folge gehabt, dass die British Telecom heute ein rein privatwirtschaftliches Unternehmen ist. Es gibt nicht die geringste Beteiligung des Staates mehr. Vor diesem Hintergrund kann auch die Regulierungsbehörde sehr frei agieren. In Deutschland haben wir dazu leider noch einigen Nachholbedarf. Wir in Deutschland sollten uns am britischen Modell orientieren. In Großbritannien ist es durch den vollständigen Rückzug des Staates möglich geworden, einen funktionierenden Wettbewerb mit starken Unternehmen zu entwickeln.


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