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HANDELSBLATT, Donnerstag, 3. Januar 2008, 12:05 Uhr
Lilberalisierung

Erfolg zulasten der Telekom


Der Deutschen Telekom treibt sie die Sorgenfalten auf die Stirne, die Konkurrenten lässt sie frohlocken: die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes. Sie ist am 1. Januar 2008 zehn Jahre alt geworden. Damals bliesen erstmals Herausforderer zum Angriff auf den Platzhirsch Deutsche Telekom - und das auch mit Erfolg.


DÜSSELDORF. Die Preise sind seitdem drastisch gesunken und auf dem einstigen Monopolmarkt tummeln sich heute 2 300 Wettbewerber. "Wir haben viel mehr geschafft, als wir uns damals haben träumen lassen", sagt Jürgen Grützner, Chef des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), in dem sich die Telekom -Konkurrenten zusammengeschlossen haben. "Vor der Deregulierung haben wir mit acht oder zehn Wettbewerbern gerechnet", erzählt er.

Möglich wurde dieser rasche Wandel durch eine beherzte Liberalisierung. Die deutschen Aufseher sorgten 1998 dafür, dass Telekom -Herausforderer nicht viel Kapital benötigten, um den Kampf gegen den übermächtigen Goliath aufzunehmen. Der Regulierer verdonnerte die Telekom, ihr Netz so genannten "Call-by-Call"-Anbietern zur Verfügung stellen. Wer sich für die neuen Anbieter entschied, musste nur eine Vorwahl (etwa 01019) vor der eigentlichen Telefonnummer eingeben und telefonierte mit der neuen Konkurrenz. Die Folge von solch niedrigen Markteintrittsbarrieren: die Konkurrenten schossen wie Pilze aus dem Boden und die Telefontarife purzelten.


Tabelle  Infografik: Telekom-Wettbewerber holen auf.


In keiner anderen Branche sind die Preise nach der Liberalisierung so stark gesunken wie in der Telekommunikation. Kostete ein Gespräch in die USA im Jahr 1997 umgerechnet noch 74 Cent pro Minute, so ist es heute bereits für weniger als zwei Cent zu haben. Selbst auf dem noch wachsenden Markt für DSL-Anschlüsse herrscht ein gnadenloser Preiskampf: Verbraucher bekommen heute ein Paket für Telefongespräche, DSL-Nutzung und Internet-Fernsehen für 30 Euro monatlich. Das ist nach Ansicht von Experten eine Marke, die Anbieter nicht unterschreiten können, wenn sie rote Zahlen vermeiden wollen.

"Der Preisverfall für Festnetztelefonate ist eklatant", sagt Thorsten Gerpott, Professor für Telekommunikation an der Universität Duisburg. "In einem Monopol hätte es den ebenso wenig gegeben wie die schnelle Verbreitung von DSL-Anschlüssen." Die Hälfte der Deutschen verfügt heute über die schnellen Leitungen in das World Wide Web.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Telekom lässt ordentlich Federn.


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