Glaubt man den Schreckensszenarien der deutschen Autoindustrie, dann steht sie angesichts des Brüsseler CO2-Vorstoßes nahezu vor dem Abgrund. Das wäre ein gewaltiges Problem. Es gibt aber auch Experten die den Vorschlägen der EU-Kommission Positives abgewinnen.
Journalisten bestaunen den Mini Cooper im Oktober 2007 auf der Tokyo Motor Show. Bei der Tochtermarke setzt BMW auf sprit- und abgasreduzierende Funktionen. Foto: dpa
DÜSSELDORF. Die deutsche Autobranche ist ein volkswirtschaftlicher Riese. Geriete sie in Schwierigkeiten, hätte das weit reichende Folgen. Die heimischen Hersteller und Zulieferer kommen in diesem Jahr auf einen Umsatz von 290 Mrd. Euro. Die Gesamtzahl der Beschäftigten liegt bei 750 000. Der Weltmarktanteil bei Premiumfahrzeugen beträgt 80 Prozent.
Die empörte Reaktion der deutschen Autobauer auf die Vorschläge der EU-Kommission führt bei manchem dagegen zu Genugtuung. "Die Frösche quaken auch, wenn der Teich trockengelegt werden soll", sagte ein Umweltschützer. Soll heißen: Die Daumenschrauben einer drohenden harten Regulierung zeigen Wirkung. "Der Vorschlag würde dazu führen, dass die besonders großen Fahrzeuge weniger attraktiv wären", sagte Autoanalyst Frank Schwope von der Nord/LB dem Handelsblatt. "Und er wäre ein Anreiz für die Autoingenieure, Machbares schneller zu realisieren."
Die Betroffenen sehen das naturgemäß anders. Die deutschen Autobauer machen seit Monaten eine simple Rechnung auf. Wenn bei den 50 leistungsstärksten Modellen europäischer Hersteller der Ausstoß um 20 Prozent reduziert wird, sinkt die CO2-Emission um 0,6 Prozent. Wird der gleiche Hebel bei den 50 meistverkauften Modellen angesetzt, sinkt die CO2-Emission um 14 Prozent. Ein BMW
-Sprecher
sieht in den vorgeschlagenen Reduktionsvorgaben der EU deshalb einen "Freifahrtschein für Kleinwagenbauer".
CO2-Sünder und Umweltengel: Wie aktuelle Automodelle abschneiden
Obergrenzen und Strafen könnten eine lenkende Wirkung entfalten, prognostiziert dagegen Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Car-Instituts an der FH Gelsenkirchen. Die deutschen Hersteller "müssen sich stärker auf kleinere Fahrzeuge konzentrieren. Jetzt ist eher Mini als verlängerte S-Klasse angesagt", sagte Dudenhöffer dem Handelsblatt. Alles Jammern nütze ja nichts. "Die Deutschen werden auch Premium light erfolgreich machen." Ökonomisch sei der Vorschlag der EU-Kommission ein richtiger Hebel. "Die Spritfresser werden teurer, sparsame Modelle günstiger."
Einen Großteil der Mehrkosten werden allerdings die Autokäufer zu tragen haben. "Zusatzkosten von drei- bis viertausend Euro können sich selbst Premiumhersteller angesichts des harten Wettbewerbs in der Autobranche nicht erlauben", sagte Dudenhöffer. Technische Anstrengungen und Strafzahlungen dürften die Margen der deutschen Autohersteller bis zum Jahr 2015 belasten. Dann sollten sie sich nach Einschätzung der Experten an die neue Situation angepasst haben.
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geschickt auf der Umweltwelle

