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23.01.2008 
Milliardenschweres Projekt

Eon-Ruhrgas-Chef sieht Nabucco-Pipeline kritisch

von Jürgen Flauger

Eon-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann hat ein wichtiges Investitionsprojekt des Konkurrenten RWE kritisiert: Die geplante Nabucco-Pipeline aus der Türkei nach Westeuropa. Bei dem sehe er ernsthafte praktische Probleme.

HB BERLIN. „Die Konzeption ist grundsätzlich gut, Nabucco könnte helfen, Europas Gasbezug zu diversifizieren“, sagte Bergmann am Dienstag auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft in Berlin, „in der praktischen Umsetzung sehe ich aber ernste Probleme.“ Es sei unklar, wo kurzfristig das Gas herkommen solle, um die Pipeline ausreichend zu befüllen.

Die Nabucco-Pipeline soll Gas von den Ländern im Kaspischen Meer über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Westeuropa liefern und damit eine Alternative zu den Lieferungen aus Russland schaffen. RWE will sich als sechster Partner an dem milliardenschweren Projekt beteiligen und steht kurz vor der Zusage.

Zuletzt stimmte die Türkei der Aufnahme von RWE in das Konsortium zu. Der staatliche Pipelinebetreiber des Landes, Botas, will diese Woche über die Aufnahme des deutschen Konzerns entscheiden. Neben Botas gehören die österreichische OMV, die ungarische MOL, die rumänische Transgaz und die bulgarische Bulgargaz dem Nabucco-Konsortium an.

Nach Bergmanns Worten versucht Russland aber, der Gasleitung die Grundlage zu entziehen. Das Land verhindere durch ein Abkommen mit Turkmenistan und Kasachstan, dass deren Gas über die Nabucco-Pipeline fließen könne. Übrig bliebe damit zunächst nur Aserbeidschan als Lieferant. „Wir müssen warten, wie sich das Projekt weiter entwickelt“, sagte er. Entscheidend sei etwa, ob langfristig auch Gas aus dem politisch brisanten Iran eingebunden werden kann.

Der Chef von RWEs Gashandelstochter, Stefan Judisch, wies die Bedenken zurück: „Wir machen nichts, was wir nicht für sinnvoll halten.“ Durch einen neuen Fund in Aserbeidschan könne die Pipeline mit ihrer Transportkapazität von zunächst 31 Mrd. Kubikmetern im Jahr sicher ausgelastet werden. Zudem werde der Raum Ägypten, Zentralasien und Naher Osten erschlossen, der mit 82 Bill. Kubikmetern doppelt so hohe Reserven habe wie Russland.

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