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HANDELSBLATT, Donnerstag, 8. Mai 2008, 11:42 Uhr
Neuordnung der russischen Ölindustrie

BP, Präsidenten und Oligarchen

Von Dirk Heilmann und Thomas Wiede

Steuernachforderungen, Umweltprüfungen, Spionage: Der Fall des russisch-britischen Ölkonzerns TNK-BP könnte der letzte zur staatlich gelenkten Neuordnung der russischen Ölindustrie sein - und es ist ein besonders komplizierter. Schließlich geht es nicht nur um die Interessen des Kreml und eines ausländischen Investors. Auf dem Spiel stehen auch die Interessen dreier mächtiger Oligarchen.


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Russisches Öl bleibt Staatsangelegenheit. Auslandsinvestoren sind bislang unerwünscht. Foto: dpa
Bild vergrößernRussisches Öl bleibt Staatsangelegenheit. Auslandsinvestoren sind bislang unerwünscht. Foto: dpa

LONDON/MOSKAU. Der russisch-britische Ölkonzern TNK-BP macht Schlagzeilen. Hat der Kreml schon wieder die Finger im Spiel, weil solche Gemeinschaftsfirmen nicht mehr in das Selbstverständnis des "neuen" Russlands passen? Werden die Briten, wie andere Investoren zuvor, herausgedrängt? Vielleicht nimmt der Fall TNK-BP aber auch eine Wendung. Denn seit Mittwoch regiert ein neuer Präsident im Kreml. Mit Dmitrij Medwedjew, so hoffen Beobachter, hat der Konfrontationskurs gegen Auslandsinvestoren im Ölgeschäft ein Ende.

Der Fall TNK-BP könnte der letzte zur staatlich gelenkten Neuordnung der russischen Ölindustrie sein, er ist auch besonders kompliziert. Schließlich geht es nicht nur um die Interessen des Kreml und eines ausländischen Investors. Auf dem Spiel stehen auch die Interessen dreier mächtiger Oligarchen.

Russischen Medien spekulieren derzeit vor allem über eine Lösung bei TNK-BP: Noch in diesem Jahr verkaufen die russischen Anteilseigner Wiktor Wekselberg, Leonid Blawatnik und Michail Fridman ihre Anteile an Gazprom. BP wiederum lässt bei der auf 20 Mrd. Dollar veranschlagten Transaktion dem staatlich kontrollierten Gaskonzern eine knappe Mehrheit, so dass die Optik gewahrt ist. Russland hat wieder das Sagen.

Bisher dementieren alle Seiten ausdrücklich, dass es formale Verhandlungen gibt. "Der Markt erwartet aber, dass es zu einer Restrukturierung bei TNK-BP kommt", sagt Christopher Weafer, Chefstratege bei Russlands zweitgrößter Privatbank Uralsib. An eine schnelle Lösung glaubt er indes nicht: "Denn BP will etwas Substanzielles zurückbekommen." Weafer sieht den Multi in einer guten Position. Schließlich war es Präsident Wladimir Putin, der 2003 dem Joint Venture seinen Segen gab.

Rund sieben Mrd. Dollar steckte der britische Ölkonzern damals in das Russland-Engagement - eine der größten ausländischen Investitionen überhaupt. Sie hat sich bisher mehr als ausgezahlt - für alle Beteiligten. Rund ein Viertel der Öl- und Gasreserven verdankt BP dem Gemeinschaftsunternehmen, sowie ein Viertel der täglichen Produktion von 3,8 Mill. Barrel (je 159 Liter). Das Joint Venture machte im vergangenen Jahr rund 15 Prozent des BP-Reingewinns von 22 Mrd. Dollar aus. Analysten schätzen die Rendite auf bis zu 15 Prozent. Insgesamt hat der Konzern 15 Mrd. Dollar in die russischen Öl- und Gasfelder gesteckt, die zu einem großen Teil als "reif" gelten und daher den Einsatz modernster Fördertechnik verlangen. Auch der russische Staat, der die Ölindustrie mit einer gewaltigen Steuerlast schröpft, ist nicht zu kurz gekommen: Gut 70 Mrd. Dollar habe TNK-BP dem Fiskus eingebracht, heißt es bei den Briten. "Wir haben unseren Willen demonstriert, in dem Rahmen zu arbeiten, den uns die russische Regierung steckt", erklärte TNK-BP-Chef Robert Dudley im Februar. Er sei bereit, mit Gazprom und Rosneft zu kooperieren.

Mit dem staatlichen Ölkonzern Rosneft pflegt BP eine besondere Verbindung. BP kaufte für eine Mrd. Dollar Rosneft-Aktien, als der Konzern vor zwei Jahren an die Londoner Börse ging. TNK-BP half zudem bei einer undurchsichtigen Auktion von Yukos-Töchtern aus. Erst beteiligte man sich daran, um nachher Rosneft den Vortritt zu lassen - was beide natürlich vehement bestreiten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Russische Aktionäre sorgen für Unruhe


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