| HANDELSBLATT, Dienstag, 19. September 2006, 07:08 Uhr | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Thyssen-Krupp sehe sich bei der Entscheidung nicht durch die Partnerschaft mit Siemens behindert: „Die Magnetbahntechnologie kommt allein von ThyssenKrupp, der Rest kommt von Siemens. Für unseren Teil können wir allein entscheiden“, betonte er. Das Bundesverkehrsministerium kündigte eine baldige Entscheidung über die Trasse in München an. Das Ministerium sei der Auffassung, dass ein Beschluss über die Finanzierung noch im Herbst getroffen werden solle. Dies habe das Ministerium auch in Schreiben an den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und dessen Wirtschaftsminister Erwin Huber (beide CSU) deutlich gemacht. Weltweit ist der Transrapid bislang nur in der chinesischen Metropole Schanghai in Betrieb, wo er den Finanzdistrikt Pudong mit dem Flughafen verbindet. Berlien argumentiert, dass die Magnetschwebebahn sich nur dann aus Deutschland heraus verkaufen lasse, wenn eine Strecke im Inland realisiert wird. Interesse am Transrapid hatten auch die USA und Katar gezeigt. Zudem bestehe die Gefahr, dass China mit einem eigenen Transrapid an den Start gehen könnte, warnte Berlien. Noch sichere die in Deutschland entwickelte Technologie einen großen Vorsprung. Doch die Lücke könne in fünf bis sieben Jahren geschlossen werden.
„Ich hoffe für den Standort Deutschland, dass wir es selbst hinbekommen“, sagte Berlien. „Wenn der Auftrag in München kommt, sind das für uns 400 Mill. Euro Umsatz im Geschäftsjahr“, rechnete er vor. Die Finanzierung der bayerischen Strecke, die nach Schätzungen rund 1,8 Mrd. Euro kosten soll, ist allerdings unklar. Verbindungen im Ruhrgebiet und zwischen Hamburg und Berlin waren wegen der Kosten verworfen worden. Berlien beklagte, dass in Deutschland zu oft lange Debatten um den Einsatz innovativer Technologie geführt würden: „Wir haben in Deutschland die Mentalität, das Haar in der Suppe zu suchen.“ Im Fall des Transrapid sei Thyssen-Krupp aber nicht mehr bereit, einem endlosen Tauziehen um die Finanzierung der Strecke in Bayern zuzuschauen. Für Thyssen-Krupp habe die Magnetschwebebahn wirtschaftlich nur eine untergeordnete Bedeutung. Der Jahresumsatz mit dem Zug von 110 Mill. Euro sei nur eine „homöopathische Dosis“. HOCH GELOBT UND DOCH VERSCHMÄHT Hoffnungen Rückschläge | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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