Gleichwohl sieht der Krankenkassen-Experte durch die Preissenkungen die Investitionskraft der Branche nicht gefährdet. „Deutscher Generika sind immer noch deutlich teurer als vergleichbare Produkte außerhalb der EU, etwa in den USA oder Indien.“ Insofern finde in Deutschland nur statt, was auf anderen nationalen Märkten längst passiert sei. „Richtig ist, dass die Sparpolitik bislang vor allem den nicht unter Patentschutz liegenden Markt ins Visier genommen hat,“ fügt er hinzu. Dies gelte für die Festbeträge, über die die Kassen für viele Wirkstoffe Preise vorgeben, die sie maximal erstatten. Auch der Zwangsrabatt von zehn Prozent treffe einseitig die Generikabranche.
Diesen Rabatt können die Unternehmen seit 2006 umgehen, wenn sie ihre Produkte 30 Prozent unter Festbetrag anbieten. Hofmann macht vor allem diese Neuregelung für den Preisrutsch der vergangenen Monate verantwortlich. Das bestreitet auch Kaesbach nicht. „Die Unternehmen haben sich aber freiwillig dazu entschieden, in der Hoffnung so ihre Marktanteile zu erhöhen“, hält er dagegen.
Dieses Motiv haben auch die Unternehmen, die Preisrabatte mit den Ortskrankenkassen, dem Verband der Angestelltenkrankenkassen oder einzelnen Kassen wie der Barmer aushandeln. Bislang machen dies vor allem kleine Hersteller, die bei den rabattierten Produkten Marktanteile von unter einem Prozent haben. Aber auch Global Player wie der israelische Hersteller Teva, größter Generikahersteller der Welt, versuchen über Rabattverträge den Platzhirschen auf dem deutschen Markt wie Ratiopharm und Stada Marktanteile abzujagen. „Wenn diese Strategie aufgeht, könnten deutsche Unternehmen mit Produktionsverlagerungen ins Ausland reagieren. Das kostet Jobs“, warnte Hofmann. Profitieren würden am Ende die forschenden Hersteller. Immerhin das sieht Kaesbach ähnlich: „Die Kassenausgaben für die patentgeschützten Medikamente dieser Firmen wachsen leider weiter unbegrenzt.“ Nach IMS-Daten lag ihr Anteil am von den Krankenkassen finanzierten Arzneimittelmarkt im Januar in Herstellerpreisen bei rund 70 Prozent nach 67 Prozent im Durchschnitt des Jahres 2006.

