Im Kalten Krieg hatte der Kreml noch nichts gegen Lizenzproduktion in einigen osteuropäischen Ländern einzuwenden. Doch inzwischen sind die meisten Lizenzen ausgelaufen. Russland geht davon aus, dass dennoch in 30 Fabriken weltweit Kalaschnikows weiter gebaut werden. Selbstverständlich nicht mehr mit der geforderten hohen Qualität, dafür aber um einiges billiger als bei dem Originalhersteller Ischmasch in Ischewsk – hier, wo Michail Kalaschnikow seit 1949 ein Büro hat, wo das Kalaschnikow-Museum und eine Bronze-Statue des Erfinders stehen.
Ischmasch-Generaldirektor Wladimir Grodezki schätzt, dass dem Unternehmen durch die unerlaubte Produktion jährlich ein Schaden von 250 Millionen Euro entsteht. Besonders ärgerlich ist es aus russischer Sicht, dass Amerikaner die Sicherheitskräfte in Afghanistan und im Irak mit Kalaschnikows ausrüsten – jedoch nicht mit den Waffen aus Ischewsk. „Ich bin überrascht, dass sich alle aufregen, wenn CDs gefälscht werden, aber schweigen, wenn es um den Schutz unserer Kalaschnikows geht“, sagt der Generaldirektor.
Seine Rüstungsschmiede liegt im Herzen der 620 000-Einwohner-Stadt. Nur selten öffnet sie ihre Werkstore für Besucher und dann auch nur kurz. Ein Tross ausländischer Journalisten wird schnell durch die Hallen geschleust, misstrauisch beäugt von einer Schar grauer Männer in Stoff-Blousons und hellen Slippern.
Rund 5 500 Mitarbeiter hat die Fabrik, erklärt der technische Direktor. Doch was bedeuten schon Zahlen? Der Generaldirektor sagt, 67 Prozent der Aktien seien in Staatseigentum, der technische Direktor nennt als Zahl 75 Prozent, die Bilanz weist 29,97 Prozent aus.
Nach Angaben des Small Arms Survey (SAS), einer schweizerischen Nichtregierungsorganisation, ist Ischmasch derzeit Russlands größter Hersteller von Handfeuerwaffen und wird vom Kreml kontrolliert. Das Unternehmen fertigt laut SAS zudem Artilleriegeschosse und ist an der Produktion von Lenkwaffensystemen beteiligt.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Eine Legende im Plattenbau

