Bei der Reorganisation geht es jetzt zum einen darum, eine akute Wachstumsdelle im Pharmageschäft durch stärkere Kostendisziplin zu kompensieren. Ausgelöst wurden die Probleme unter anderem durch überraschende Generikakonkurrenz für mehrere Produkte und den Vermarktungsstopp für das Darmmedikament Zelnorm. Außerdem scheiterte der Konzern mit zwei wichtigen Neuentwicklungen im Zulassungsverfahren für den US-Markt. Allerdings gehen viele Experten davon aus, dass der Konzern die Schwächephase bereits in der zweiten Jahreshälfte 2008 wieder überwinden kann. "Dank einer breiten Produkt-Pipeline in fortgeschrittener Entwicklung erscheint die Pharmasparte gut gerüstet für eine Welle an Zulassungen ab 2009/10“, schreibt Karl Heinz Koch in einer Studie der Schweizer Bank Vontobel. "Das dürfte die Wachstumsraten mittelfristig wieder über den Marktdurchschnitt treiben.“
Zum anderen sucht derzeit fast die gesamte Branche nach neuen Strukturen, die sowohl den veränderten Rahmenbedingungen im Gesundheitssektor gerecht werden als auch die Schwächen im Innovationsprozess überwinden können. Die stetig rückläufige Zahl an neuen Produkten wird von Branchenexperten unter anderem darauf zurückgeführt, dass die Großkonzerne im Zuge der Branchenkonsolidierung zu bürokratische Strukturen aufbauten.
Pharmamanager wie Boehringer-Chef Alessandro Banchi warnen inzwischen davor, dass Pharma-Konzerne aber einer gewissen Größe nur noch schwer zu steuern seien. Die Branchenführer Glaxo
und Pfizer
versuchen solche Nachteile inzwischen mit einer gezielten Dezentralisierung ihrer Forschung und dem Aufbau spezieller Biotech-Forschungszentren zu überwinden.
Dessen ungeachtet diskutieren Analysten und Investoren in jüngerer Zeit verstärkt über Möglichkeit zum Verkauf von Randaktivitäten oder gar eine Aufspaltung von Pharmakonzernen. Solche Debatten dürften auch an Novartis
nicht spurlos vorübergehen.

