Andererseits drohen Teva hohe Schadensersatzforderungen, sollte das Patent am Ende doch bestätigt werden. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund vereinbarten die Israelis bereits unmittelbar nach Markteinführung ihres Produkts eine 30-tägige Stillhalteperiode, die am kommenden Dienstag ausläuft. Bis dahin will das Unternehmen keine weiteren Mengen in den Handel ausliefern.
Branchenexperten bewerten den Vorstoß von Teva vor allem als Versuch, sich sowohl gegenüber Wyeth als auch gegenüber dem Generika-Konkurrenten Sun in Position zu bringen, der ebenfalls eine Protonix-Kopie entwickelt hat. „Das wahrscheinlichste Ergebnis ist ein Vergleich zwischen den vier Unternehmen“, heißt es in einer Studie von HSBC. Der könnte etwa darauf hinauslaufen, dass Teva und Sun ab Mitte 2009 mit einer Protonix-Version auf den Markt kommen könnte.
Die Vorgänge sind symptomatisch für die Pharmabranche und ein Grund für wachsende Zweifel an den Geschäftsmodellen vieler Konzerne. Pharmapatente erscheinen heute weniger robust gegenüber den Generika-Attacken als noch vor einigen Jahren. Zwar konnten Pharmakonzerne wie Pfizer und Sanofi-Aventis einige besonders wichtige Patente – etwa für den Cholesterinsenker Lipitor mit mehr als zwölf Mrd. Dollar Umsatz und den Blutverdünner Plavix mit gut sechs Mrd. Dollar – weitgehend verteidigen.
In etlichen anderen Fällen erwiesen sich die Patentpositionen aber als brüchig. Pfizer, Novartis und Glaxo-Smithkline mussten mit vorzeitiger Generikakonkurrenz für einige umsatzstarke Wirkstoffe fertig werden.
Als Votum mit möglicherweise negativen Implikationen für andere Fälle gilt unter anderem ein Urteil des obersten amerikanischen Gerichtshofes gegen ein Patent auf das Pfizer-Herzmittel Norvasc.
Unsicherheit verursachte ferner eine branchenfremde Entscheidung des Supreme Courts in einem Streit zwischen den Automobilzulieferern KSR und Teleflex. Dabei ging es um Autopedale.
Die Urteilsbegründung dürfte nach Einschätzung von Fachleuten aber die Patentierbarkeit von Erfindungen einschränken, die relativ naheliegend und offensichtlich waren. Das wiederum könnte unter anderem Pharmawirkstoffen zum Verhängnis werden, die auf relativ geringen Modifikationen gegenüber älteren, bereits bekannten Substanzen beruhen. Vor allem Patente auf die spezielle Aufbereitung oder auf neue Einsatzgebiete für ältere Wirkstoffe, schätzen die Experten von Lehman Brothers, dürften von dieser Entscheidung erheblich betroffen sein.

