Ist dem die Innovationskraft der Branche gewachsen?
Auf jeden Fall sind Zweifel angebracht. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat 2007 nur noch neunzehn völlig neue Wirksubstanzen zugelassen, so wenig wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die F+E-Ausgaben der führenden Hersteller sind dabei 2007 abermals überproportional gewachsen. Trotzdem gehen Branchenbeobachter davon aus, dass bei einer ganzen Reihe von Pharmakonzernen - darunter etwa Pfizer,
GSK, Astra
-Zeneca
oder Sanofi
- die Produkt-Pipelines zu schwach bestückt sind, um die Patentabläufe zu kompensieren.
Steht der Branche damit eine längere Durststrecke bevor?
Das bleibt schwer zu beurteilen. "Big Pharma", das heißt die führenden zehn Unternehmen, repräsentieren weniger als die Hälfte der Gesamtindustrie. Kleinere Firmen sind zum Teil innovativer und das Potenzial vieler Nischenprodukte wurde in der Vergangenheit oft unterschätzt. Entgegen vieler Prognosen ist die Zahl der "Blockbuster"-Medikamente (mit mehr als einer Mrd. Dollar Jahresumsatz) weiter gestiegen, auf 120 im vergangenen Jahr. Kleinere Pharma- und Biotechunternehmen wie Gilead,
Genzyme
oder Novo Nordisk verbuchen mit solchen Spezialprodukten deutlich zweistellige Wachstumsraten.
Welche Risiken drohen von Seiten der Politik?
Für Unsicherheit sorgt zum einen die bevorstehende US-Präsidentenwahl (siehe Bericht unten). Pharmahersteller müssen sich in den USA, aber auch in anderen Ländern auf intensivere Kosten-Nutzen-Analysen und härtere Preisverhandlungen mit den Kostenträgern der Gesundheitssysteme einstellen. In Deutschland etwa sorgten die neuen Rabatt-Strategien der Krankenkassen für Bewegung auf dem Markt. Die Pharmahersteller stehen damit unter erheblichem Druck, sowohl neue Preismodelle für ihre Produkte als auch neue Strategien im Vertrieb zu entwickeln. Diese Themen spielen daher auch eine zentrale Rolle auf der heute beginnenden Handelsblatt-Pharmatagung.

