Darüber hinaus schaffen es die meisten Konzerne, Schwächen im US-Markt durch die enorme Nachfrage in Osteuropa, Fernost und den Ölländern mehr als zu kompensieren. MAN ragt als positiver Sonderfall heraus: Die Schwäche in den USA lässt den Lastwagenhersteller kalt, weil er hier so gut wie keine Geschäfte macht. Konzernchef Hakan Samuelsson rechnet zwar damit, dass eine von der Immobilienkrise ausgelöste Konsumschwäche in den USA auch Westeuropa treffen wird. Doch das immer noch ungebrochene Wachstum in vielen anderen Regionen dürfte das Geschäft auch weiter beflügeln, zeigte er sich mit Blick auf 2008 weiter zuversichtlich.
Zweifel an so viel Optimismus wecken Unternehmen wie Henkel und Adidas. Sie verdienten 2007 ebenfalls glänzend. Doch trotz deutlicher Zuwächse beim Umsatz, Gewinn und der Marge spürten sie bereits die sinkende Nachfrage in den USA (Adidas) und Nachteile aus dem schwachen Dollar (Henkel). Beim Waschmittelkonzern verhagelte der starke Euro die Umsätze. Sie wuchsen nur um 2,6 Prozent - ohne Währungseinflüsse wären es 5,8 Prozent gewesen. Konsequenz: Henkel verkündete bei seiner Bilanzvorlage ein Sparprogramm, das den Abbau von 3 000 Arbeitsplätzen vorsieht. Doch selbst damit verspricht sich der scheidende Konzernchef Ulrich Lehner kaum noch Chancen, die ursprünglich anvisierte Zielrendite von zwölf Prozent im laufenden Jahr zu schaffen. Zu sehr verschlechterte sich in den ersten Monaten das Umfeld. Die Rohstoffkosten legen rasant zu, und der Euro kletterte um weitere zehn Prozent - so viel wie im Gesamtjahr 2007.
Nur wenige Konzerne sind auf einen heraufziehenden Abschwung schlecht vorbereitet. Beim Chiphersteller Infineon sanken auch 2007 die Umsätze, und die Verluste stiegen. Seit der Gründung 1999 häufte die Siemens-Tochter einen Nettoverlust von zwei Mrd. Euro an. Das Unternehmen konnte noch nie beweisen, dass es über ein profitables Geschäftsmodell verfügt.
Von solch einer negativen Ausnahmestellung sind zwei Ex-Monopolisten weit entfernt. Zwar präsentierten sich
Serie: Firmencheck
Deutschlands führende Konzerne haben ihre Bilanzen vorgelegt. Schlusslichter waren gestern BMW, Metro und Tui. Der erste Handelsblatt-Firmencheck im Jahr 2008 analysiert die Ertragslage und Renditeentwicklung für die 23 im Dax-30 vertretenen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Grundlage sind die Umsatzerlöse, das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten und die daraus errechnete Umsatzrendite. Banken und Versicherungen bleiben außen vor, weil ihre Kennzahlen nicht mit denen der Industrie-Unternehmen vergleichbar sind.
Umfassende Untersuchungen zu den Börsensegmenten MDax, SDax und TecDax folgen in den kommenden Monaten, wenn auch die kleineren Gesellschaften ihre Bilanzen veröffentlicht haben. Der Firmencheck entsteht in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität Saarbrücken und der Unternehmensberatung Oliver Wyman in München.

