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14.04.2008 

Doch Vorsicht! Die Lufthansa kappte im vergangenen Abschwung gleich zweimal ihre Dividende (2001 und 2003) und zerstörte damit viel Vertrauen. Damals blieb vielen Unternehmen keine Chance, an ihren Dividenden festzuhalten. Auch Commerzbank, Conti und die Telekom strichen mindestens einmal komplett ihre Ausschüttungen. Ursache war das katastrophale Jahr 2001, als die Nettogewinne der Dax-Firmen um durchschnittlich 50 Prozent einbrachen. „In stärkeren Abschwungphasen folgen die Dividenden in der Regel zeitverzögert der rückläufigen Gewinnentwicklung“, ermittelte Michael Köhler von der Landesbank Baden-Württemberg.

Zwar lässt sich kein klares Muster identifizieren, wer im nächsten Abschwung die Dividenden kürzt. Doch üblicherweise stehen Unternehmen defensiver Branchen am ehesten für Kontinuität. Die Versorger Eon und RWE sowie die Gesundheitsspezialisten Merck und FMC schütteten regelmäßig Dividenden aus. Auffällig ist, dass deren Aktien langfristig besser abschneiden als Anteilsscheine von Unternehmen, die in guten Zeiten üppige, in schlechten Phasen aber keine Dividenden zahlen – so wie Lufthansa und Telekom. Weil Anleger Kürzungen härter bestrafen, als sie Erhöhungen belohnen, bemühen sich immer mehr Unternehmen um stabile Ausschüttungen. Ganz besonders in den USA, denn dort spielen Dividenden für die Altersvorsorge eine viel größere Rolle als in Europa.

Die WestLB untersuchte dazu den weltweit maßgeblichen US-Börsenindex S&P 500. In seiner Entwicklung seit 1871 fällt auf, dass sich die Dividenden seit 1950 kontinuierlicher nach oben entwickeln als der Index. Anders ausgedrückt: Die Firmen sind in Rezessionen bereit, dank guter Gewinne vor dem Abschwung die Ausschüttungen beizubehalten. Vorbilder sind Traditionskonzerne wie Philip Morris (heute Altria) und Exxon Mobil. Der Tabak- und Nahrungsmittelkonzern schüttet seit 80 Jahren, der Ölkonzern seit 125 Jahren ununterbrochen Dividenden aus. Positives Beispiel in Deutschland ist BASF. Der Chemieriese erhöhte in den vergangenen 13 Jahren elfmal die Ausschüttung.

Mit Blick auf 2009 überwiegen die positiven Szenarien. „Trotz zurückgehender Gewinne dürften die Dividenden weiter steigen“, erwartet Howard Silverblatt von der Ratingagentur S&P. Bezogen auf das Aktienmutterland USA, wo die Unternehmen vierteljährlich Dividenden zahlen, rechnet er damit, dass die Firmen ihre „lange Tradition von Dividendenerhöhungen fortsetzen“. Für Deutschland prognostizieren die Analysten nach Angaben von Finanzdatenexperten wie Factset und Ibes, dass die Dax-Konzerne erstmals 30 Mrd. Euro ausschütten werden. Das wäre ein Plus von sieben Prozent und entspräche dem erwarteten Zuwachs beim Nettogewinn.

Allerdings steht dahinter ein dickes Fragezeichen. Seit Jahresbeginn fiel das erwartete Gewinnwachstum von 13 auf sieben Prozent. Mit weiter sinkenden Prognosen dürfte auch die erwartete Dividendensumme fallen. Sollte die Konjunktur ähnlich abstürzen wie nach der Jahrtausendwende, müssten am Ende die meisten Dax-Konzerne ihre Dividenden deutlich kürzen, erwartet Commerzbank-Experte Hürkamp: „Das Ziel Dividendenkontinuität wird dann ähnlich wie 2002 in den Hintergrund treten.“

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