Zudem wächst die Bereitschaft, schwächere Bilanzstrukturen und Kreditratings in Kauf zu nehmen. Galten hohe Cash-Positionen einst als wichtige Absicherung vor allem für mögliche Schadensersatzforderungen, betrachten Manager der Branche solche Risiken inzwischen als weniger gefährlich. Erfahrungen wie mit dem Schmerzmittel Vioxx und dem Cholesterinsenker Lipobay zeigten, dass Pharmakonzerne selbst dramatische Produktausfälle verkraften können.
Etwas differenzierter als bei den Großkonzernen ist die Finanzpolitik im Mittelfeld der Pharmabranche, wo in den vergangenen Jahren Übernahmen eine größere Rolle spielten. Aber auch hier wächst offenbar die Neigung zu höheren Ausschüttungen. So haben unter anderem Amgen und die japanischen Hersteller Takeda und Astellas ihre Aktienrückkäufe 2007 erheblich ausgeweitet. Bayer und Bristol-Myers stockten die Dividenden deutlich auf.
Beim privaten Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim gönnten sich die Eigner im vergangenen Jahr mit 3,3 Mrd. Euro sogar ein Vielfaches der bisherigen Entnahmen. Allerdings begründet das Unternehmen diese Rekordausschüttung mit einer Änderung im Einkommensteuergesetz. Sie habe dazu veranlasst, voll versteuerte Altrücklagen zu entnehmen, um neue Rücklagen zu einem günstigeren Steuersatz bilden zu können.

