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08.05.2008 

Rosneft und Gazprom gehören zwar dem gleichen Staat, doch um die Konzerne haben sich unterschiedliche Gruppen im Machtgefüge des Kremls platziert. So wird der Rosneft-Aufsichtsrat vom einflussreichen Vize-Chef der Präsidialadministration, Igor Setschin, kontrolliert. Diesem schreiben Beobachter eine zentrale Rolle bei der Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos zu. Schon damals geriet Setschin mit dem heutigen Präsidenten Medwedjew, zugleich Gazprom-Aufsichtsratchef, aneinander.

Medwedjew hatte einige kritische Anmerkungen über das Vorgehen gegen Yukos fallen lassen, war aber offenbar auch daran interessiert, die lukrative Beute für Gazprom zu sichern. Ein Teil der Schwierigkeiten, mit denen sich TNK-BP heute konfrontiert sieht, könnte auch damit zusammenhängen, dass hinter den Kulissen bereits darum gerungen wird, welche Gruppe den Zuschlag bekommt, vermuten Analysten.

Als ein weiterer Unruheherd gelten die russischen Aktionäre, von denen Fridmans Alfa-Gruppe ein Viertel an TNK-BP hält und Wekselbergs Renova sowie Blawatniks Access jeweils 12,5 Prozent. Seit Ende 2007 die Sperrfrist für Änderungen in der Aktionärsstruktur abgelaufen ist, wechseln die Berichte darüber, welcher der Oligarchen bereit wäre, seinen Anteil zu verkaufen. Alle bestreiten, aussteigen zu wollen. Einzig Wekselberg hat das durchblicken lassen - vorausgesetzt, der Wert des Unternehmens werde mit 60 Mrd. Dollar bemessen. Analysten wie Pawel Kuschnir von Deutsche UFG sehen TNK-BP derzeit aber maximal bei 40 Mrd. Dollar.

Das Unternehmen selbst gibt sich gelassen: Bei den Schlagzeilen der vergangenen Monate habe es sich um nicht zusammenhängende Einzelfälle gehandelt, erklärt eine Sprecherin. Diese Sichtweise unterstützen westliche Diplomaten: Sie sehen bisher keine Indizien für ein "koordiniertes Vorgehen" gegen den Öl-Konzern. Auch der Uralsib-Stratege Weafer geht derzeit davon aus, dass es zu einer "Verhandlungslösung" kommt.

Womöglich könne ein umfassenderer Deal, der eine breit angelegte Kooperation mit Gazprom einschließe, auch attraktiv sein, sagt ein Londoner Ölmanager. Wichtig sei, dass BP weiterhin die operative Führung habe.

Zwischen den potenziellen Partnern ist zudem eine wichtige Frage offen: die Zukunft des lukrativen Gasfelds Kowikta, das TNK-BP nach administrativem Druck vor fast einem Jahr an Gazprom hat verkaufen müssen. Das Geschäft ist wegen strittiger Bewertungsfragen immer noch nicht abgeschlossen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Sünden des Kreml

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