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24.01.2008 
Skandal weitet sich auf Medizinsparte aus

Bargeld in Briefumschlägen und Plastiktüten

von Sönke Iwersen

Auf der heutigen Siemens-Hauptversammlung bahnt sich ein gewaltiger Schlagabtausch an. Aktionäre wollen Antworten im Schmiergeld-Skandal. Nun liegt dem Handelsblatt ein internes Schreiben vor, dass schon 2004 vor einem System warnt, bei dem Siemens-Manager Bargeld in Plastiktüten durch die Gegend tragen. Ex-Vorstands- und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer soll informiert gewesen sein.

Außenansicht eines Gebäudes des Siemens-Konzern auf dem Firmengelände in München. Foto: apLupe

Außenansicht eines Gebäudes des Siemens-Konzern auf dem Firmengelände in München. Foto: ap

DÜSSELDORF. Auch in der bisher als weitgehend sauber geltenden Siemens -Sparte Medizintechnik hat es verdächtige Zahlungen gegeben. Thomas Stinnesbeck, ein ehemaliger Vertriebsleiter der Siemenstochter SAT, kann beweisen, dass er bereits im Juni 2004 den Spartenvorstand Erich Reinhardt und den damaligen Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer schriftlich über "Schwarzgeldgeschäfte" unterrichtet hat.

Von Pierer, von 1992 bis 2005 Vorstandsvorsitzender und danach Aufsichtsratsvorsitzender, trat 2007 von seinem Amt zurück. Reinhardt galt jedoch bisher als unbelastet vom dem Siemens -Skandal und ist noch immer Vorstand der Medizinsparte. Juristisch ist der Vorwurf von Stinnesbeck verjährt. Er wirft jedoch neues Licht auf die Frage, welcher Vorstand seit wann etwas von fragwürdigen Geschäftspraktiken gewusst hat.


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In seinem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, beschreibt Stinnesbeck, wie bei der Siemens Audiologische Technik (SAT) in Erlangen Geldübergaben vorgenommen wurden, "die der Beihilfe zur Steuerhinterziehung für die Kunden der SAT dienten". Dabei seien Händlern von Siemens -Hörgeräten zunächst Rabatte gestrichen worden. Dann wurden in Höhe dieser Rabatte Flugtickets beim Reisedienst Med Travel gekauft. Diese Flugtickets wurden aber nicht genutzt, sondern sofort gegen Bargeld getauscht. Die Med Travel habe zehn Prozent als Kommission einbehalten. Den Großteil händigten SAT-Manager persönlich den Händlern aus. Teils wurde das Geld in Plastiktüten transportiert. Das System sei offenbar seit langem eingespielt gewesen.


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Siemens bestreitet nicht, dass es solche Bargeldübergaben gab. Es handele sich jedoch um Einzelfälle, die sofort nach Bekanntwerden abgestellt worden seien. Eine interne Revision bei Siemens habe den Sachverhalt lückenlos aufgearbeitet. "Es handelt sich bei den genanten Zahlungen nicht um Schwarzgeld, sondern um die Vergütung regulär erzielter Rabatte", sagt ein Sprecher.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Beteiligten widersprechen

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