| HANDELSBLATT, Donnerstag, 24. April 2008, 14:26 Uhr | ||||||||||||||||||||||||
Pharmaindustrie | ||||||||||||||||||||||||
Hoher Freizeitwert | ||||||||||||||||||||||||
Von Jürgen Salz, Wirtschaftswoche | ||||||||||||||||||||||||
Medikamenten-Gratispackungen oder getarnte Fortbildungsveranstaltungen - eigentlich will die Pharmaindustrie die Korruption in der Branche bekämpfen. Doch dem vor einigen Jahren gegründeten Verein zur Freiwilligen Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie (FSA) fehlt es an Unterstützung aus der Branche. Warum die Selbstkontrolle nicht funktioniert. | ||||||||||||||||||||||||
Das Luxushotel Alpenhof Murnau bietet einen herrlichen Blick auf das bayrische Bergpanorama. Wenningstedt auf Sylt lockt mit seinem Strand, dem Roten Kliff und leckerem Fisch bei Gosch. Lissabon macht natürlich auch was her, schon allein wegen der Altstadt mit ihren engen Gassen und den melancholischen Fado-Musikanten - es sind solche attraktiven Lagen wie Oberbayern, Sylt oder Portugal, mit denen Pharmaunternehmen Ärzte zu Fortbildungsveranstaltungen locken. Das klingt nach Klischee, ist aber aktenkundig und dokumentiert von Michael Grusa. Der 56-Jährige ist Geschäftsführer des Vereins zur Freiwilligen Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie (FSA), zu dem bedeutende Medikamentenhersteller wie Bayer, Doch das reicht leider nicht. Die ethische Selbstkontrolle funktioniert nicht; es fehlt an Unterstützung aus der Branche. Viele Medikamentenhersteller wollen ihrem Erfolg weiterhin mit fragwürdigen Mitteln nachhelfen. Novartis Unternehmen unterlaufen tagtäglich den Ethik-Kodex, den sich der FSA gegeben hat und der Unternehmen zum Beispiel verbietet, Ärzte zu Freizeit-Sausen einzuladen, mit Unmengen von Medikamenten-Gratispackungen zuzuschütten oder mit Geld und teuren Geschenken gewogen zu stimmen. Bekannte Hersteller wie etwa Ratiopharm sind beim FSA erst gar nicht Mitglied geworden. Dutzende mittelständische Pharmaunternehmen traten im vergangenen Jahr wieder aus. "Das Verhalten ist noch nicht so, wie es sein sollte", sagt Wolfgang Plischke, Vorstandsmitglied beim Leverkusener Bayer Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Zahl der Beanstandungen steigt. | ||||||||||||||||||||||||
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