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HANDELSBLATT, Samstag, 23. Februar 2008, 16:19 Uhr
Kampf um Ostdeutschland

Undurchsichtige Ölimporte

Von Thomas Wiede und Sönke Iwersen

Eine Fünf-Mann-Firma in Hamburg kontrolliert die gesamte Ölversorgung in Ostdeutschland. Die russischen Lieferanten wollen den Zwischenhändler nun ausschalten. Ob sich dadurch die Versorgungssicherheit verbessert, ist fraglich. Es droht eine Klüngelwirtschaft rund um den russischen Präsidenten Wladimir Putin.


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Arbeiten an der Druschba-Pipeline in Schwedt. Foto: ap
Bild vergrößernArbeiten an der Druschba-Pipeline in Schwedt. Foto: ap

MOSKAU. Der staatliche russische Erdölpipeline-Betreiber Transneft versucht, die Zwischenhändler im Milliarden-Dollar schweren Geschäft mit West- und Mitteleuropa auszuschalten. In einem Interview mit der russischen Zeitung „Wedomosti“, erklärte der neue Transneft-Chef, Nikolai Tokarew, das Handelssystem zwischen Russland und dem Westen sei ein „Anachronismus aus den neunziger Jahren“, das heute nur Preisspekulationen anheizen würde. Zur Beseitigung dieses Missstands forderte Tokarew eine stärkere Rolle des russischen Staates im Ölhandel.

In der vergangenen Woche hatte der Preisstreit zwischen dem russischen Ölkonzern Lukoil und dem Hamburger Ölhändler Sunimex Schlagzeilen gemacht. Sunimex ist der Generalimporteur für alles Öl, das durch die Druschba-Pipeline von Russland nach Deutschland fließt. Die Pipeline steht für zwanzig Prozent der gesamten deutschen Ölimporte. Sie beliefert die beiden Raffinerien Schwedt und Leuna, die ganz Ostdeutschland mit Ölprodukten (Heizöl Benzin, Diesel) versorgen.

OAO Lukoil
Chart: OAO Lukoil

Der russische Konzern Lukoil will sein Öl künftig direkt über seine eigene Handelsfirma Litasco liefern. Die Tage der Zwischenhändler seien gezählt, glaubt Transneft-Chef Tokarew. Fünf große russische Ölkonzerne hätten sich mit der Bitte an die russische Regierung gewandt, diese sollte „Ordnung“ in das Geschäft um die Druschba-Pipeline bringen und verbindliche Exportpläne aufstellen. Transneft würde dies voll unterstützen. Wichtig sei, dass der Staat den Preisbildungsprozess überwache, um Missbrauch zu vermeiden.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre zerfiel auch die staatliche russische Handelsfirma Sojusnefteexport, über die der komplette Ölexport ins Ausland abgewickelt wurde. In Folge bekamen die Abnehmer in Westeuropa Schwierigkeiten, die gewohnten Mengen aus Russland zu beziehen. Unabhängige Händler stießen in die Lücke, die Sojusnefteexport hinterließ. In den folgenden Jahren eroberten Firmen wie Sunimex in Deutschland, Mercuria in Polen oder Glencore in Ungarn die regionalen Märkte.

Deren Stelle sollen nun offenbar bestens in Moskau verdrahtete Unternehmen wie die Lukoil-Handelsfirma Litasco oder die in der Schweiz ansässige Gesellschaft Gunvor einnehmen. Gunvor ist eine der einflussreichsten Ölhandelsgesellschaften Russlands. Einer ihrer Gründer ist Gennadij Timtschenko, ein Weggefährte des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Gunvor kontrolliert nach Analystenschätzungen bis zu einem Drittel des Handels mit russischem Öl und Ölprodukten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Negativer Effekt auf die Preise


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